Ostkreuz: Riesen-Ärger um Staufalle

Welcher Trottel hat das hier geplant?

Jeden Tag drängeln sich Tausende Berliner durch ein nerviges Nadelöhr.

ALIX FASSMANN
Lesezeit 3 Min
Auf dem neuen Gleis 8 sollen eigentlich einmal Regionalbahnen fahren. Jetzt dient es noch dem S-Bahn-Verkehr. Doch für die Menschenmassen im Minutentakt ist eigentlich ein Zugang zu wenig.

Auf dem neuen Gleis 8 sollen eigentlich einmal Regionalbahnen fahren. Jetzt dient es noch dem S-Bahn-Verkehr. Doch für die Menschenmassen im Minutentakt ist eigentlich ein Zugang zu wenig.

© Teich Lizenz

Treppe rauf, Treppe runter, überall Menschen, ein Hund fiept von unten zwischen den hastigen Beinen, Mütter mit Kinderwagen kriegen Schnappatmung, Fahrradfahrer hauen einem Pedale in die Kniekehlen. Auf den unteren S-Bahnsteigen stadtaus- und einwärts kann es besonders zur Rushhour verdammt eng werden.

Nadelöhr Nummer 1 verläuft auf dem Bahnsteig E. Zwei Gleise, vier S-Bahn-Linien und ein Inselbahnsteig. Die Menschen strömen von der oberen Ringbahnplattform oder von der provisorischen Fußgängerbrücke auf den Bahnsteig. Besonders die Treppenzugänge der Brücke engen den Platz für Reisende erheblich ein. 1,40 Meter – zwei Menschen passen da nebeneinander entlang. Ein Dritter muss schon auf die weiße 30-Zentimeter-Gefahrenzone an der Bordsteinkante laufen. Für Leute mit Kinderwagen, Fahrrädern oder Hunden ein Spießroutenlauf. Ein Schild weißt zwar darauf hin, dass man hier nicht stehen soll. Aber kaum einer sieht es.

„Ich steige hier jeden Tag um, wenn ich meine Freundin besuche“, sagt Sergio Caceres (27). Er sei froh gewesen, als letztes Jahr endlich ein neues Gleis am Ostkreuz eröffnet hat. „Doch leider ist es zu eng. Das nervt!“

„Ich steige hier jeden Tag um, wenn ich meine Freundin besuche“, sagt Sergio Caceres (27). Er sei froh gewesen, als letztes Jahr endlich ein neues Gleis am Ostkreuz eröffnet hat. „Doch leider ist es zu eng. Das nervt!“

© Teich Lizenz

Mit ihrer kleinen Tochter hat Jennifer Timmermans (27) am Bahnsteig E nie ein gutes Gefühl. „Die Enge macht einen nervös. Da muss man manchmal richtig Angst haben.“ Und mit einem Kinderwagen sei es lebensgefährlich!

Mit ihrer kleinen Tochter hat Jennifer Timmermans (27) am Bahnsteig E nie ein gutes Gefühl. „Die Enge macht einen nervös. Da muss man manchmal richtig Angst haben.“ Und mit einem Kinderwagen sei es lebensgefährlich!

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Horst Hulak (67) wohnt direkt im Nachbarkiez und wundert sich. „Was? Das Gleis 8 soll schon fertig sein ? Das ist doch viel zu schmal. Ich habe gedacht, das sei eine Zwischenlösung mit nur einem Treppenzugang.“

Horst Hulak (67) wohnt direkt im Nachbarkiez und wundert sich. „Was? Das Gleis 8 soll schon fertig sein ? Das ist doch viel zu schmal. Ich habe gedacht, das sei eine Zwischenlösung mit nur einem Treppenzugang.“

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„Das ist hier alles ganz schön eng“, sagt Udo Walluscheck (56). Er hätte wirklich nicht gedacht, dass das so bleiben soll an Gleis 8. „So ein schmaler Bahnsteig mit nur einem Zugang ist doch auch ein Sicherheitsrisiko.“

„Das ist hier alles ganz schön eng“, sagt Udo Walluscheck (56). Er hätte wirklich nicht gedacht, dass das so bleiben soll an Gleis 8. „So ein schmaler Bahnsteig mit nur einem Zugang ist doch auch ein Sicherheitsrisiko.“

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Nicht ideal, nennen es die Planer von der Deutschen Bahn, aber nicht anders zu lösen in der momentanen Bauphase. „Der alte Bahnsteig war nun mal nicht breiter“, sagt Michael Baufeld, Sprecher der Deutschen Bahn für Großprojekte. Man müsse in der Bauplanung ständig Kompromisse machen, um voranzukommen. Bis Juli bleibt die Situation auf Gleis E wie sie ist. Dann stehe eine neue „Baugleis-Verschwenkung“ an. Man kann nur hoffen, dass bis dahin nichts passiert. Eine Massenpanik hielte den momentanen Sicherheitsbedingungen wohl kaum stand.

Das zweite Nadelöhr ist das letztes Jahr im Mai eröffnete Gleis 8. Eigentlich sollen dort einmal, wenn 2017 hoffentlich alles fertig ist, Regionalbahnen fahren. Doch in der momentanen Bauphase dient es dem S-Bahn-Verkehr stadteinwärts. Ein entscheidender Unterschied. So ist allein ein Zugang von der Ringbahnplattform zu wenig für die Reisenden im Minutentakt. Und der führt auch noch an den Kopf des Gleises. Viele bleiben einfach vorne stehen, sehen das kleine Hinweisschild nicht, auf dem steht: „Bitte den gesamten Bahnsteig benutzen!“ Ergebnis: Die Massen verstopfen den Bahnsteig zwischen Gleis und Treppenwand. Zur Rushhour geht hier nichts ohne intimen Körperkontakt.

Viele Fahrgäste sind genervt von der elenden Rumschieberei am Ostkreuz. Vom Gleis 8 können viele nicht glauben, dass es schon die Endversion des Baus sein soll. Zu groß kommt ihnen das Chaos noch vor. Ein zweiter Zugang sei jedenfalls aus „bauzeitlichen Gründen technisch nicht möglich“, so Baufeld.

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