Drama um Ost-Berliner Familie Kupfer

Das passiert in der 4. Staffel von „Weissensee“

So viel sei schon verraten: Es gibt einen großen Showdown.

BK
Lesezeit 5 Min
Florian Stetter, Ruth Reinecke, Lisa Wagner, Claudia Mehnert, Friedemann Fromm, Stephan Grossmann, Joerdis Triebel, Ferdinand Lehmann, Philine Steuer, Ziva-Maria Faske, Hansjürgen Hürrig und Florian Lukas bei der Premiere der vierten Staffel von "Weissensee".

Florian Stetter, Ruth Reinecke, Lisa Wagner, Claudia Mehnert, Friedemann Fromm, Stephan Grossmann, Joerdis Triebel, Ferdinand Lehmann, Philine Steuer, Ziva-Maria Faske, Hansjürgen Hürrig und Florian Lukas bei der Premiere der vierten Staffel von "Weissensee".

© Getty Images

Ob „Charité“, „Kudamm 59“ oder „Bad Banks“ - das weiter boomende Genre Serie ist auch bei den öffentlich-rechtlichen Programmanbietern nicht mehr wegzudenken - und quotenmäßig inzwischen oft eine sichere Bank. Zu den Vorreitern jenseits von Netflix & Co gehört das ARD-Familiendrama „Weissensee“, mit dem die Berliner Produzentin Regina Ziegler im Jahr 2010 an den Start ging.

Dramatische Verwicklungen und großer Showdown

Am Dienstag (20.15 Uhr) startet die 4. Staffel der spannenden Geschichte um die Ost-Berliner Familie Kupfer. Die sechs neuen Folgen - an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils im Doppelpack zu sehen - spielen von Frühjahr bis Herbst 1990. Mit der politischen Wende in Deutschland verschärfen sich die Konflikte innerhalb der zerrissenen Familie noch einmal. Reichlich Stoff für dramatische Verwicklungen. 

Von links nach rechts: Die Schauspieler Lisa Wagner, Florian Lukas, Jörg Hartmann, Claudia Mehnert, Ruth Reinecke und Uwe Kockisch am Set der vierten Staffel der ARD-Fernsehserie "Weissensee"

Von links nach rechts: Die Schauspieler Lisa Wagner, Florian Lukas, Jörg Hartmann, Claudia Mehnert, Ruth Reinecke und Uwe Kockisch am Set der vierten Staffel der ARD-Fernsehserie "Weissensee"

© dpa

Dem Team um Drehbuchautor und Regisseur Friedemann Fromm gelingt es, ein Stück deutsche Geschichte hervorragend recherchiert, dramaturgisch dicht und emotional aufwühlend zu erzählen - großer Showdown inklusive. Autorin Annette Hess, die unter anderem mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, war nach der dritten Staffel ausgestiegen.

In den Mühlen der Treuhand und halbseidener Investoren 

Die „Weissensee“-Figuren stehen nach dem Fall der Mauer zwischen schwieriger Vergangenheitsbewältigung und ebenso komplizierter Zukunftsplanung. „Erstaunlich ist im Rückblick, wie schnell alles ging“, erinnert sich Schauspieler Florian Lukas (45) an die Wendezeit, die er als Schüler erlebte. Im Film spielt er Martin Kupfer, der in der neuen Staffel den VEB Möbelbau Rosa-Luxemburg retten will und in die Mühlen der Treuhand und halbseidener Investoren gerät.

Er kämpft außerdem um ein einigermaßen geregeltes Familienleben mit seinen zwei Töchtern und seiner West-Berliner Freundin Katja (Lisa Wagner). Die DDR-Vergangenheit seiner Familie holt ihn dabei immer wieder ein. „Ich glaube, die Leute haben Anfang der 90er Jahre so viel mit sich zu tun gehabt - damit ihr Leben neu aufzustellen und sich neu zu orientieren. Da blieb nicht viel Zeit zur Aufarbeitung“, so Lukas im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

„Erst viele Jahre später hat die Aufarbeitung begonnen und wir sind ja immer noch dabei“, sagte der Schauspieler. „Solche Serien wie „Weissensee“ können helfen, miteinander ins Gespräch zu kommen.“ Es gehe darum, „noch einmal neu und anders über diese Zeit nachzudenken und auch mit sich selbst ins Gespräch zu kommen“, meinte Lukas. „Dasselbe gilt aber auch für die beginnenden 90er Jahre und die Wiedervereinigung, die nicht so rosig, aber auch nicht so beschissen abliefen wie einige es darstellen. Wenn wir verstehen wollen, warum Deutschland heute so ist wie es ist, dann müssen wir auch in diese Zeit blicken.“

Martin (Florian Lukas, M.r.) und Roman (Ferdinand Lehmann, M.l.) erleben die Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 wie in Trance.

Martin (Florian Lukas, M.r.) und Roman (Ferdinand Lehmann, M.l.) erleben die Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 wie in Trance.

© ARD/Julia Terjung Lizenz

Republikflucht, Stasi, Unbelehrbare

Während Mauerspechte in Berlin Steine aus dem „antifaschistischen Schutzwall“ hämmern, hat sich Familienoberhaupt Hans Kupfer (Uwe Kockisch) komplett zurückgezogen. Desillusioniert vertieft er sich in die Lektüre des Philosophen Schopenhauer, hadert mit seiner Vergangenheit bei der DDR-Staatssicherheit und will reinen Tisch machen. Ehefrau Marlene (Ruth Reinecke) sorgt sich dagegen, dass das SED-Parteivermögen nicht in die Hände „dieser Demokraten“ fällt und ergreift spezielle „Maßnahmen“, um das zu verhindern.


Sendetermine, Mediathek, Infos

Das Erste zeigt die 4. Staffel von „Weissensee“ (6 Folgen) vom 8. bis 10. Mai jeweils in Doppelfolgen um 20.15 Uhr.

Die Folgen der 1., 2. und 3. Staffel sind bis 13. Mai online abrufbar.

Die 4. Staffel mit den sechs neuen Folgen ist 24 Stunden vor der Ausstrahlung online abrufbar und bleibt dann 14 Tage im Netz.

Mehr Infos zur Serie: http://www.daserste.de/unterhaltung/serie/weissensee/index.html


Sohn Falk Richter (Jörg Hartmann) - nach den Schüssen von Bürgerrechtlerin und Sängerin Dunja Hausmann im Rollstuhl - nimmt einen neuen Posten für ein West-Unternehmen an und spielt als früherer Stasi-Offizier ein gefährliches, doppeltes Spiel. Hausmann-Darstellerin Katrin Sass stand für die neue Staffel nicht mehr vor der Kamera. Das tragische Schicksal ihrer Figur wird in der Serie aus der Ferne weiterverfolgt. Falk Richter verliebt sich in die Physiotherapeutin Petra (Jördis Triebel). Wegen versuchter Republikflucht war sie zu DDR-Zeiten im Gefängnis. Noch weiß Petra nicht, welche Rolle Falk damals im SED-Staat spielte.

Die Schauspielerinnen Lisa Wagner, Ruth Reinecke und Claudia Mehnert (v.l.) stehen am Set der vierten Staffel der ARD-Fernsehserie "Weissensee". 

Die Schauspielerinnen Lisa Wagner, Ruth Reinecke und Claudia Mehnert (v.l.) stehen am Set der vierten Staffel der ARD-Fernsehserie "Weissensee". 

© dpa

Alte und neue Seilschaften

Privates und Politisches ist in „Weissensee“ untrennbar miteinander verknüpft und erzählerisch geschickt verbunden. Es geht um alte und neue Seilschaften, die Rolle der Bürgerrechtler bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer der DDR, die Öffnung der Stasi-Akten, Treuhand-Gründung und Währungsunion. Jahrzehntelang gehütete Familiengeheimnisse kommen bei den Kupfers ans Tageslicht und erschüttern das ohnehin gestörte Verhältnis zueinander.

Komplexe Charaktere und eine komplexe Handlung sind das Pfund, mit denen „Weissensee“ erneut wuchern kann. Überzeugend ist auch wieder die sorgfältige Ausstattung der filmischen Zeitreise mit Kostümen, Alltagsgegenständen, Autos und Wohnungseinrichtungen. Die vielen verwickelten Handlungsfäden entflechten die „Weissensee“-Macher für den Zuschauer nach und nach so geschickt, dass es bis zuletzt spannend bleibt. (Elke Vogel, dpa)

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