Orkanböen bedrohen Ferieninsel

Unwetter-Front knipst extreme Hitzewelle aus

Sturmspitzen von bis zu 130 km/h befürchtet: Wo es besonders brenzlig wird.

BK
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Da braut sich etwas zusammen.

Da braut sich etwas zusammen.

© dpa

Feuerwehrleute retten Fische, Flüsse trocknen aus

Am Mittwoch hatte ein Böschungsbrand den Bahnverkehr bei Potsdam lahmgelegt. Die Schwarze Elster liegt auf vier Kilometern bereits komplett trocken - Muscheln, Krebse und Schnecken sterben, und inzwischen sind auch die Wasserstände in der Havel und Nuthe drastisch abgesunken. Am Schlosspark Petzow konnten Feuerwehrleute aus Werder (Havel) ein großes Fischsterben gerade noch abwenden: Laut der „Märkischen Allgemeinen“ hatten sich wegen der hohen Temperaturen Algen so stark vermehrt, dass der See umzukippen drohte. Der Sauerstoffgehalt in dem Gewässer war so stark gesunken, dass die Fische nicht mehr genug Sauerstoff über ihre Kiemen einatmen konnten. In der Situation spritzten die Feuerwehrleute mehrere tausend Liter Wasser in das Becken und retteten den Fischen so das Leben.

Am Donnerstag geht es zunächst noch einmal weiter mit der großen Hitze in unserer Region: Bis zu 36 Grad erwarten die Meteorologen im Tagesverlauf. Dabei wird es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sehr schwül. Kräftige Gewitter mit Starkregen bis zu 20 Liter, Hagelkörner von zwei Zentimetern Durchmesser und mehr sowie schwere Sturmböen bis zu 100 Kilometer pro Stunde könnten sich ab Nachmittag örtlich entladen.

Zwei Unwetterfronten kommen auf uns zu 

Spitzenböen kurz nach Mitternacht laut amerikanischem Wettermodell: An der Nordseeküste sind Böen bis zu 100 km/h möglich. Auch an der Ostsee wird es stellenweise sehr stürmisch.

Spitzenböen kurz nach Mitternacht laut amerikanischem Wettermodell: An der Nordseeküste sind Böen bis zu 100 km/h möglich. Auch an der Ostsee wird es stellenweise sehr stürmisch.

© wetter.net

Der Unwetterschwerpunkt liegt allerdings am Nachmittag weiter westlich in einer Linie zwischen NRW und Baden-Württemberg. Diese Gewitterlinie, erklärt Wetterexperte Dominik Jung (wetter.net), zieht im weiteren Verlauf östlich. Die Gewitter entladen sich örtlich in unterschiedlicher Intensität - deshalb ist eine genaue Vorhersage, wie stark welcher Ort getroffen wird, nicht möglich. "Es wird nicht jeden treffen, aber dort, wo die Gewitter niedergehen, kann es sehr heftig werden", so Jung.

Daneben gibt es jedoch noch einen zweiten Unwetterschwerpunkt, der sich von Nordfrankreich aus ab Nachmittag Richtung Nordsee aufmacht. Von dort aus würde der Sturm noch weiter Richtung Nordosten ziehen und auch Teile der Ostseeküste erfassen.

Aktuelle Berechnungen lassen an der Nordsee um die Ferien-Insel Sylt am Freitagmorgen Böen befürchten, die je nach Wettermodell 100 km/h (schwerer Sturm) oder sogar bis zu 130 km/h (Orkanstärke) erreichen werden - und das mitten in der Urlaubs-Saison!

Heftige Sturmböen bedrohen Zelt-Urlauber

"Viele Menschen sind mit Zelten und Wohnwagen oder kleinen Booten unterwegs", gibt Diplom-Meteorologe Jung zu bedenken. Die Urlauber könnten mitten in der Nacht von den heftigen Sturmböen überrascht werden. "Urlauber entlang der belgischen, holländischen und auch teilweise der deutschen Nordseeküste sollten auf jeden Fall vorsichtig sein und die Wetterwarnungen genau beobachten. Das könnte eine kritische Lage werden“, so Jung.

An der Ostseeküste würde der Sturm in etwas abgeschwächter Form anbranden: Der DWD erwartet Sturmspitzen von bis zu 100 km/h, die sich im Verlaufe der Nacht etwas abschwächen. Für Urlauber auf Campingplätzen auch keine gemütlichen Aussichten.

Nachts wird es richtig kalt

Auch in Berlin sind kräftige Gewitter möglich, genauso gut könnte es aber bei kräftigen Böen bleiben. Auf jeden Fall werden die Temperaturen bereits ab Freitag auf ein erträgliches Niveau von 24 bis 26 Grad sinken. Eine riesige Erleichterung werden hitzegeplagte Berliner und Brandenburger vor allem in den Wochend-Nächten verspüren: Die Tiefstwerte sacken in der Nacht zum Sonnabend auf bis zu 11 Grad, in der Folgenacht könnte man im Umland bei minimal neun Grad sogar richtig frieren.

Niederschlagssummen in den kommenden 10 Tagen: Der wenige erwartete Regen kann die vorherrschende große Trockenheit nicht nachhaltig beseitigen.

Niederschlagssummen in den kommenden 10 Tagen: Der wenige erwartete Regen kann die vorherrschende große Trockenheit nicht nachhaltig beseitigen.

© wetter.net

Doch das Pendel dreht sich bereits am Sonntag wieder in die andere Richtung. Die Temperaturen steigen im Süden Brandenburgs wieder auf 28 Grad, und in der neuen Woche schießen die Werte vorübergehend wieder auf die bekannten Hitzespitzen von bis zu 34 Grad. 

Die nachhaltige Abkühlung lässt also genauso auf sich warten wie der dringend benötigte Landregen. JSt

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