Oma Anni

Klein-Kleckersdorferin macht jetzt große Politik

Sie wurde zum Symbol des Widerstands gegen Teuersanierung von Miethaien

Susanne Dübber
Lesezeit 2 Min
Oma Anni (95) ist das Gesicht der Mieterbewegung. Hier mit Sohn Hans-Hartmut Lenz (64). 

Oma Anni (95) ist das Gesicht der Mieterbewegung. Hier mit Sohn Hans-Hartmut Lenz (64). 

© Sabine Gudath

Ein Leben lang hat sie geschuftet. „Schon mit 10 auf dem Kartoffelacker, drei Kinder großgezogen, immer gearbeitet als Verkäuferin.“ Im Alter wollte Oma Anni genießen. Den schönen Garten, wo der Zaunkönig so herrlich singt, die Eichhörnchen über den Rasen huschen. Die Familie mit Urenkeln.

Damit ist es vorbei. Nach 60 Jahren zerstörte ein Investor die Idylle. Durch Modernisierung soll die Miete in den 38 Reihenhäusern und drei Mehrfamilienhäusern steigen, teilweise von knapp 400 auf etwa 1700 Euro. Dagegen klagen die Mieter. Der KURIER berichtete über ihr und Oma Annis Schicksal, bekam einen Verbraucherschutz-Preis dafür.

Selbst am 93. Geburtstag fand Oma Anni eine Kündigung im Briefkasten – doch sie gibt nie auf. „Ach wo“, wehrt sie ab. „Die kriegen mich hier nicht raus.“ Vor der Bezirksverordnetenversammlung sprach sie. „Die von der Politik kommen uns alle immer besuchen“, sagt Oma Anni lässig. „Wir besprechen, was wir machen können.“

Aus ihrer Nähe zur großen Politik ergab sich jetzt der Auftritt als Top-Model der Wahlwerbung für Die Linke. „Die haben mich gefragt und ich hab’ Ja gesagt..“ Groß gestylt hat sie sich nicht für die Fotos. „So wie ich bin.“ Fast faltenfrei ist das Gesicht der alten Dame. Gage hat sie nicht verlangt, nicht bekommen. „Ach wo“, sagt sie und verrät: „Ich bin nicht für Die Linke. War immer SPD, das bleib ich auch.“

Für Die Linke-Wahlkampfleiterin Katina Schubert ist das kein Problem. „Schon in Ordnung.“ Ausgesucht hatte die Partei Oma Anni, „weil sie sinnbildlich für den Kampf von Mietern um ihr Zuhause steht.“ Katina Schubert sagt lachend: „Dass wir im Westen überhaupt so weit gekommen sind, ist schon ’ne coole Nummer.“

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