Wir telefonieren, unterhalten uns, schauen Filme an oder lauschen der Musik: Hören gehört ganz selbstverständlich zu unserem Alltag. Doch nicht für jeden: Rund 14 Millionen Menschen können bundesweit nicht gut hören.
„Hauptursache für den Hörverlust ist nach wie vor das Alter, daneben ist die Lärmschwerhörigkeit getreten“, sagt Priv.-Doz. Dr. Parwis Mir-Salim, Chefarzt der HNO-Klinik am Vivantes Klinikum Friedrichshain. Heilbar ist ein Hörverlust nicht, aber die Technik hilft, gut damit zu leben.
„Dabei gehören die unschönen, fleischfarbenen Klötzchen hinter dem Ohr und das schrille Rückkopplungspiepsen endgültig der Vergangenheit an“, sagt Dr. Mir-Salim. Hörgeräte sind heute winzig, oft kaum ein Gramm schwer und technisch wahre Supertalente (siehe Kasten links). Sie stoßen jedoch bei hochgradiger Schwerhörigkeit an ihre Grenzen, dann empfiehlt sich ein sogenanntes Cochlea-Implantat (CI).
Die Implantate arbeiten nach dem natürlichen Prinzip, übertragen den Schall von Außen auf Hammer und Amboss. Sollten diese fehlen oder durch Krankheit funktionsuntüchtig sein, können auch andere Teile des Mittelohres zum Schwingen gebracht werden, um Schall auf das Innenohr zu übertragen.
Die Operation: „Die OP kann ein- oder beidseitig erfolgen“, erklärt Dr. Mir-Salim. „Man macht beim minimal invasiven Vorgehen einen Schnitt hinter der Ohrmuschel von etwa fünf Zentimeter Länge, alles Weitere geschieht mit dem Operationsmikroskop.“
Der Warzenfortsatz wird eröffnet , er besteht aus vielen kleinen lufthaltigen Zellen. Es wird mit Mikrobohrern ein schmaler Kanal zum Mittelohr geformt. Anschließend wird das Implantatlager gebildet. „Dies hat den Zweck, das Implantat im Knochen zu versenken, damit es einerseits geschützt ist, es aber andererseits hierdurch praktisch unsichtbar wird“, erklärt Mir-Salim. „Die Stimulationselektroden werden durch einen schmalen Tunnel in den Ohrknochen geleitet. Es wird nun eine Verbindung zwischen dem Warzenfortsatz und dem Mittelohr geschaffen.“
Bei kleinen Kindern ist dieser Raum manchmal 2 bis 3 mm schmal und er führt unmittelbar am Gesichtsnerven und der Gehörgangswand vorbei. Daher wird hier unter sogenanntem Neuromonitoring gearbeitet.
Es werden unter der gesamten Operation Muskelströme der Gesichtsmuskulatur abgeleitet. Sollte man dem Gesichtsnerven zu nahe kommen, wird sofort ein akustisches Signal gegeben. Man schaut nun direkt auf die untere Windung der Hörschnecke und kann diese entweder an einer natürlichen Membran oder künstlich eröffnen. Das Implantat wird aus der Packung direkt implantiert, die Elektrode in die Schnecke inseriert und parallel zum sofortigen Wundverschluss die Erregbarkeit des Hörnerven durch einen Audiologen gemessen. Dr. Mir-Salim: „Ich verschließe die Haut immer mit Hautkleber, Fäden müssen nie entfernt werden.“ Es muss ein Druckverband für 5 bis 6 Tage angelegt werden.
Risiken: Grundsätzlich kann der Gesichtsnerv verletzt werden mit Lähmung der betreffenden Gesichtsseite. Dies ist aber heutzutage eine absolute Rarität. Häufiger tritt passagerer Schwindel oder eine Verstärkung von Tinnitus auf.
Nach der Operation: „Bei uns sind die Patienten zur Operation 2 Tage im Krankenhaus. Bei Entlassung bekommen sie alles Erforderliche an Medikamenten und Verbandsmaterial mit“, erklärt Dr. Mir-Salim.
„Es erfolgt eine postoperative Visite nach einer Woche mit Abnahme des Verbandes. Vier Wochen nach der OP erfolgt die Erstanpassung im Cochlea Implantat Zentrum Berlin Brandenburg und es beginnt damit die Rehabilitation. Es erfolgen jährliche Nachuntersuchungen.“
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