Feierabendzeit in Belluno, einer kleinen Stadt in Norditalien. Ein Mann geht eine Straße entlang, in der einen Hand einen geöffneten Aktenkoffer. Mit der anderen greift er hinein – und lässt Geldscheine fliegen. Fünfziger, immer wieder Fünfziger. Sie segeln über die Fahrbahn, landen auf dem Gehweg. Einige Passanten bücken sich und stecken das Geld ein. Andere greifen zum Handy und rufen die Polizei.
Obdachloser in Belluno lebt seit Jahren in einem Zelt
Die Menschen in der 35.000-Einwohner-Stadt am Fuße der Dolomiten kennen den Mann als „Haider". Er stammt aus dem Irak und lebt seit mindestens 2022 in Belluno – in einem Zelt in einem Industriegebiet. Sozialdienste und Ehrenamtliche kümmern sich seit Jahren um ihn.
Ein Dach über dem Kopf, Essen, Betreuung: Er hat alles abgelehnt. Er spricht kaum mit anderen Menschen, und auch nur eingeschränkt Italienisch. Für die Verständigung wurde ein Dolmetscher hinzugezogen.
80 Scheine zu 50 Euro – sind die etwa echt?
Die Beamten sammelten an diesem Augustnachmittag ein, was noch auf Fahrbahn und Gehweg lag: 80 Banknoten zu je 50 Euro, macht 4000 Euro. Andere Berichte sprechen sogar von 4390 Euro. Der erste Verdacht – Blüten! – bestätigte sich nicht. Die Prüfung ergab: alles echt.
Woher der Koffer stammt, konnte Haider nicht erklären. Er soll ihn auf der Straße gefunden haben. Tagelang wartete die Polizei, dass sich jemand meldet. Keine Verlustanzeige, kein Eigentümer, keine Spur.
Was passiert jetzt mit den 4.000 Euro?
Verwahrt wird die Summe inzwischen im Economato der Stadtverwaltung im Palazzo Rosso. Wie es damit weitergeht, ist offen. Sozialdezernent Marco Dal Pont hat aber schon eine Idee: Wenn das Gesetz es zulasse, würde er das Geld gern für Haider selbst einsetzen – für Hilfe, die dieser bislang immer ausgeschlagen hat.
Nach italienischem Fundrecht geht Eigentum in der Regel nach sechs Monaten an den Finder über. Die Frist läuft. Und ein Teil der Scheine dürfte längst in fremden Portemonnaies stecken.
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