Einen Grund zum Feiern finden sie beim 1. FC Union immer. Da sich das 2:2 (2:1) gegen Aufsteiger Heidenheim ziemlich mau anfühlte, besangen die Fans der Eisernen einfach ihren Kapitän Christopher Trimmel an dessen 37. Geburtstag. Der stimmgewaltige Chor von der Waldseite im Stadion an der Alten Försterei wollte nach dem Abpfiff gar nicht aufhören.
Und so kam es dann in Köpenick, wie es in Köpenick halt in solchen Situationen so kommt: Der Jubilar machte sich in Badeschlappen noch mal unterwegs auf den Rasen und schwang – da waren alle Fotografen längst schon bei der obligatorischen Medienrunde oder auf dem Heimweg – den Morgenstern von Maskottchen Ritter Keule. So energisch, dass Kollege Josip Juranovic (28) neben ihm lieber in Deckung ging.
Rani Khedira ist sauer über die Gegentore
Diesen Elan des Team-Seniors will Trainer Nenad Bjelica (52) im letzten Saisondrittel von allen seinen Spielern auf dem Rasen sehen. Denn das Remis gegen den unermüdlich rennenden Aufsteiger hat die Lage im Abstiegskampf nur marginal verbessert. „Wir müssen weiter punkten. 25 Punkte werden nicht reichen“, mahnte der Coach.
Erstmals unter Bjelica mussten sich die Eisernen in einem Heimspiel mit einem Zähler begnügen. Der Klub-Rekord von fünf Erfolgen am Stück im Ballhaus des Ostens wurde verpasst, weil Heidenheim zwei Tor-Geschenke bekam. „Wenn man den Gegner so einlädt, ist es ärgerlich, dass man nicht mit drei Punkten dasteht“, war Rani Khedira (30) bedient und schob dann ganz pragmatisch nach: „Ein Punkt mehr ist ein Punkt mehr. Er gibt uns ein gutes Gefühl und hoffentlich reicht er, um in der Bundesliga zu bleiben.“
Christopher Trimmel fordert Tugenden ein
Bjelicas Glück ist, dass nicht nur Khedira diese typische Union-Einstellung lebt. Trimmel wollte nicht nur die Keule schwingen, sondern verlangte ein klares Tugendbekenntnis: „Man kann sich gar nicht sicher sein, ganz klar. Unsere Mentalität ist nicht so, dass wir glauben, wir sind durch. Wir ackern und kämpfen um jeden Punkt. Deswegen ist es wichtig, dass wir auf uns schauen und unsere Arbeit machen.“ Gut gebrüllt, Ösi-Löwe!
Acht Punkte Vorsprung haben die Köpenicker auf Platz 16, das Selbstvertrauen ist zurück in Köpenick. „Wir treten schon mehr als Einheit auf. Jeder ordnet sich ein Stück unter“, beschrieb Khedira den Wandel seit der Übernahme von Bjelica. Doch der Kroate weiß, das kann auch schnell Makulatur sein.
Jetzt kommen die Brocken nach Köpenick
Zumal Union seine famose Heimstärke nun gegen Schwergewichte der Liga beweisen muss. Der nächste Gegner in der Alten Försterei heißt schon am Samstag (15.30 Uhr) Borussia Dortmund. Auch Bayer Leverkusen, der FC Bayern und Freiburg kommen bis Mitte Mai noch nach Berlin. Egal, Khedira gibt das Motto aus: „Zu Hause können wir gegen jeden bestehen.“ ■
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