Die KV hat eine neue Leitstelle. Neben Arztsuche und Terminvergabe finden dort medizinisch erfahrene Experten nun auch heraus, ob ein Kranker bei Schnupfen lieber im Bett bleibt oder bei akuten Schmerzen zum Arzt beziehungsweise sofort in die Klinik muss.
Jana Stechow ist Leiterin der KV-Leitstelle, die unter der Nummer 116117 zu erreichen ist.
© Norbert Koch-Klaucke
Ein Anruf unter 116 117 genügt. Eine Telefonnummer, die die bisherige Rufnummer 310031 des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes abgelöst hat, und die jeder Berliner kennen sollte.
Vor allem abends und am Wochenende ist dieser Telefondienst wichtig, wenn Arztpraxen zu sind. Daher wird er ab 1. Januar 2020 täglich rund um die Uhr besetzt sein. Kranke können so jederzeit erfahren, wie dringend ein Arzt- oder Klinikbesuch für sie ist. Das stellen die KV-Experten mit dem neuen medizinische Ersteinschätzungsverfahren fest.
38 Berliner Rettungsstellen sollen entlastet werden
„Mit Hilfe eines Computerprogrammes befragen die Mitarbeiter den Anrufer über seinen Zustand, können ihm sagen, welche Hilfe er braucht“, sagt die kommissarische Leiterin der Leitstelle, Jana Stechow (39).
Wochenende, Arzt hat zu: Statt eine Notfallpraxis aufzusuchen, eilen viele Berliner lieber in die Klinik-Notaufnahme.
© Gerd Engelsmann
Etwa, ob ein Arztbesuch am nächsten Tag reicht oder man in eine der acht Notfallpraxen (vier für Erwachsene, vier für Kinder) muss. In Fällen, wo der Kranke nicht in der Lage ist, zum Doktor zu gehen, kommt ein KV-Arzt nach Hause. Stellt sich ein Notfall heraus, alarmieren die Experten den Rettungsdienst der Feuerwehr.
Das Ersteinschätzungsverfahren, das ab 2020 bundesweit zum Einsatz kommt, wird seit April schon bei der KV Berlin getestet. „Von den über 200.000 Berlinern, die unter der 116117 anriefen, wurde bei 21.000 das Verfahren angewendet“, sagt Vize-KV-Chef Dr. Burkhard Ruppert. „Meist waren es Fälle von Rücken- und Bauchschmerzen, Übelkeit oder Fieber. Nur drei Prozent, etwa 4000 Patienten, waren Notfälle, mussten in die Klinik.“
Die KV hofft, mit dem neuen Telefondienst die 38 Berliner Krankenhaus-Rettungsstellen zu entlasten. Laut Senat laufen dort jährlich 1,3 Millionen Fälle auf, von denen 70 Prozent nicht in einer Klinik behandelt werden müssen.
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