Dr. Wolfgang Wachs schluckt. „Es ist kein schöner Gedanke, dass jemand sterben muss, damit ich weiterleben kann“, sagt er. Doch sein Wunsch, wieder arbeiten zu können, ist stärker. Wachs steht beim Deutschen Herzzentrum Berlin auf der Warteliste für eine neue Lunge. Doch über seine Chancen auf eine Organspende macht er sich keine Illusionen.
857 Organspender gab es 2016
Als Notarzt hat er einer jungen Frau geholfen, die unter der gleichen Krankheit litt wie er: Lungenfibrose. Warum dabei die Lunge versteift und den Körper mit immer weniger Sauerstoff versorgt, ist noch nahezu unbekannt. Es ist eine seltene Erkrankung, und die Forschungsbudgets dafür sind gering.
Rund 10.000 Menschen in Deutschland brauchen ein neues Organ, um weiterleben zu können. Rund drei von ihnen sterben jeden Tag, weil es nicht rechtzeitig zur Verfügung steht. 857 Organspender gab es 2016. Es ist der niedrigste Wert seit fünf Jahren, am 3. Juni ist der Tag der Organspende.
Kleine Schläuche in der Nase
Wolfgang Wachs weiß seit 2011 von seiner Krankheit. Heiligabend 2016 beschloss er nach einem schweren Einsatz, dass er nicht mehr guten Gewissens als Notarzt arbeiten kann. Ihm fehlte die körperliche Kraft dafür. Seit rund drei Wochen braucht er dauerhaft ein Sauerstoffgerät. Husten quält ihn, selbst Sprechen kann anstrengend sein.
Es fällt Wolfgang Wachs nicht leicht, sich jetzt mit kleinen Schläuchen in der Nase auf der Straße zu zeigen. Nach Jahren als Notarzt auf der Straße kam er seit 2008 mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 39“ aus der Luft zu Hilfe.
So oft ums Leben gekämpft
Nun plagt ihn die Ungewissheit. „Ich weiß nicht, was kommt. Ich kann nur warten“, sagt Wolfgang Wachs. Die Transplantation ist seine einzige Überlebenschance, Medikamente sind ausgereizt. In vier Monaten wird Wachs 60 Jahre alt.
Den runden Geburtstag will er erleben und feiern. Meist fährt er jetzt zu seinem Arzt, Kollegen reden offen miteinander. In ganz dunklen Stunden denkt er ans Aufgeben. Doch dann kommt dieser Gedanke, dass er als Notarzt so oft ums Leben gekämpft hat. „Warum dann nicht auch bei mir selbst?“
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