Nordkorea in Berlin

Das fröhliche Hostel zur Achse des Bösen

Die Einnahmen der Absteige in Berlin, finanzieren Nordkorea auch sein Atomprogramm.

Marcus Böttcher
Lesezeit 2 Min
Dieses Hostel in der Glinkastraße in Berlin-Mitte soll geschlossen werden.

Dieses Hostel in der Glinkastraße in Berlin-Mitte soll geschlossen werden.

© camcop media / Andreas Klug

Von außen betrachtet wirkt der weiß getünchte Plattenbau unscheinbar. Seit 2007 hat Nordkorea, auf dessen Botschaftsgelände sich das Haus befindet, es an eine türkische Hotelierfamilie verpachtet. Angeblich zahlen die Betreiber mehr als 38.000 Euro Miete im Monat an Kim Jong-uns Vertreter in Berlin. Ein lukratives Geschäft für die abgeschotteten Asiaten – aber seit neuestem verboten.

Denn kurz nach dem fünften Atombombentest des Landes im November verhängte der UN-Sicherheitsrat Sanktionen, die die Untervermietung oder Verpachtung diplomatischer Einrichtungen verbietet.
Darunter fällt das City-Hostel mit seinen 435 Betten, auch wenn der Pachtvertrag lange vor der Resolution geschlossen wurde. Nach KURIER-Informationen wurden die Pächter vom Auswärtigen Amt (AA) vor wenigen Tagen über die diplomatischen Entwicklungen in Kenntnis gesetzt. Man möge den Vertrag mit Nordkorea kündigen, sonst würden Bußgelder drohen.

Vor allem der Preis lockt

Staatssekretär Markus Ederer aus dem AA zum KURIER: „Die permanenten nuklearen Drohgebärden der nordkoreanischen Regierung machen uns große Sorgen. Wir werden den Druck erhöhen müssen, um Nordkorea an den Verhandlungstisch zurückzubringen“, so der Diplomat. Es sei wichtig, „dass wir die Finanzquellen des Nuklearprogramms austrocknen“.

Im Hostel lief gestern der Betrieb munter weiter. Vor allem der Preis lockt. Einen Platz im Acht-Betten-Zimmer gibt es bereits ab 9,50 Euro pro Nacht, laut „Süddeutscher Zeitung“ ist das Geschäft hochprofitabel. Die Betreiber selbst waren gestern für den KURIER nicht zu sprechen.

Verwirrung gab es unterdessen um einen „Tagesschau“-Beitrag zu dem Fall. Die Sendung zeigte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig im Kontext mit dem umstrittenen Hostel. Tatsächlich wohnten dort nur Teilnehmer der von der SPD-Politikerin eröffneten „JugendPolitikTage“.

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