Berlin - Glut, Schweiß und Tränen: In drei ICE-Zügen fielen am Wochenende die Klimaanlagen aus, Menschen kollabierten, mussten ärztlich versorgt werden - das gestand die Bahn ein. Jetzt kommt raus, dass wesentlich mehr Züge betroffen waren. Der Bahn drohen Schadenersatzklagen.Für diese Pannen-Schlamperei gibt es keine Entschuldigung, findet selbst Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Er forderte von der Bahn, dass "die Züge bei minus 40 Grad genauso zuverlässig fahren wie bei plus 40 Grad!"Dramatischer Höhepunkt war der ICE-Vorfall am Sonnabend auf der Strecke Hannover-Bielefeld (wir berichteten). Mehrere Jugendliche und ältere Passagiere brachen zusammen, am Ende mussten 27 Schüler ärztlich versorgt werden. Laut Bahn waren noch zwei ICE von einem Ausfall der Klimaanlage betroffen. Der "Spiegel" erfuhr, dass weit mehr Chaos-Züge durch die Republik rollten. "Ich stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch", sagte Angelika Kleinau dem "Spiegel". Sie saß Sonnabend im ICE 36 von Kopenhagen nach Berlin, die Klimaanlage war defekt: "Unzumutbar. Innentemperatur 48 Grad." Der überfüllte Zug sei völlig verdreckt, weil sich Kinder in die Gänge übergeben hätten.DB-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg kündigte eine Anlaufstelle für betroffene Kunden an. Die Mail-Adresse hitzewelle@deutschebahn.com ist seit gestern geschaltet, dazu das DB-Kundentelefon unter der Nummer 01805 99 66 33.Die Bundespolizei hat Ermittlungen gegen die Bahn im Fall des ICE nach Bielefeld eingeleitet. Es besteht der Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung und der unterlassenen Hilfeleistung. Sollten die Ermittlungen den Verdacht der Körperverletzung bestätigen, rät die betroffene Sophie-Scholl-Gesamtschule in Remscheid den Eltern der Schüler zu einer Sammelklage. Außerdem verlangt die Schule Schadenersatz von der Bahn.Der Fahrgastverband "Pro Bahn" befürchtet, dass noch mehr Menschen umfallen. Grund: Die ICE-Züge seien alt, die Klimaanlagen unterdimensioniert. Spart die Bahn auf Kosten der Fahrgäste? Ja, sagt Dr. Hartmut Buyken von "Pro Bahn": "Es ist billiger, die Fahrgäste im Ernstfall zu entschädigen, als die Klimaanlagen auszutauschen."------------------------------
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