Rückhalt der Familie
„Das Tier würde ihr helfen, sich allein zu orientieren und ihr Selbstbewusstsein geben“, sagt ihre Mutter. Nike ist bald ein Teenager, aber noch stark auf ihre Eltern angewiesen. Wenn sie aus der Schule kommt, muss sie solange im Hort warten, bis ihre Mutter sie abholt. Andere Kinder in ihrem Alter schaffen den Heimweg allein, Nike nicht. „Sie würde sich verlaufen“, sagt ihre Mutter Bettie Weissert (44). Einmal, so erzählt sie, ist Nike im Bus eingeschlafen und hat die Haltestelle verpasst. Sie fuhr dann allein durch die Stadt. Zum Glück hat ihr eine fremde Frau geholfen. Für ihre Eltern war das trotzdem ein angstvoller Moment.
Nike mit ihrer Mutter Bettie, die vieles für ihre Tochter erkämpfen muss.
© Gerd Engelsmann
Ein Assistenzhund könnte solche schlimmen Szenarien vermeiden. „Er würde Nike dann anstupsen, wenn sie nicht rechtzeitig aussteigen würde“, erklärt Weissert.
Nike musste sich schon früh ins Leben kämpfen. Kurz nach der Entbindung diagnostizierten die Ärzte im Krankenhaus drei Löcher in ihrem kleinen Herzen und stellten fest, das sie ein Chromosom zu viel (Down-Syndrom) hat. „Die Löcher sind inzwischen verwachsen, aber ihre ersten Lebensjahre waren hart, weil sie viele Infekte und hohes Fieber hatte.“
Ihre Eltern und ihre Schwester Kaya (15) sind immer an Nikes Seite. Sie stärken sie, wenn sie traurig nach Hause kommt, weil sie sich nicht traute, vor der Klasse zu sprechen, weil sie wieder Schwierigkeiten hatte, zu kommunizieren.
Der Preis der Unabhängigkeit
„Wir möchten nicht jammern, weil wir sehr glücklich mit unserem Kind sind“ sagt Bettie Weissert. Sie wirkt sehr bescheiden und man spürt, dass ihr der Spendenaufruf für die Tochter bei Facebook (https://www.facebook.com/
AssistenzhundFelix/) nicht leicht gefallen ist. Sie wisse, das es viel schlimmere Schicksale gibt, über die auch der KURIER berichtet, sagt sie.
Nike hat auch schon ein Bild gemalt: Hier läuft sie mit Collie Felix gemeinsam durch Berlin.
© Gerd Engelsmann
Trotz allem ist auch der Alltag der Weisserts nicht leicht zu schultern. Damit sich Nike altersgerecht entwickeln kann und nicht ausschließlich von der Familie abhängig ist, wäre ein Assistenzhund so wichtig für sie. Es gäbe sogar schon einen: Doch der Collie Felix, den Nike beim Verein Rehahunde Deutschland e.V. kennenlernen durfte, hat seinen Preis. Rund 28 100 Euro kostet die Ausbildung eines Assistenzhundes. Der Vater von Nike, Patrick (45), der sich selbstständig gemacht hat, und die Mutter, eine Logopädin, schaffen es nicht, das Geld aufzubringen. Einen Antrag auf Förderung bei ihrer Krankenkasse haben sie bereits gestellt. Aber die Finanzierung ist schwierig, fast alle Anträge werden abgelehnt, sagt Astrid Ledwina vom Verein Rehahunde e.V.
Deshalb ist ein spezieller Assistenzhund so teuer
Die Ausbildung kostet rund 28 000 Euro, schon der Kauf beim Züchter liegt bei 5000 Euro. Der Hund muss besondere Charaktermerkmale erfüllen und wird bis zu eineinhalb Jahre trainiert. Dann kann er Schubladen öffnen, Wäsche aus der Maschine holen und Hilfe ordern. Der Trainer betreut Tier und Halter lebenslang.
Auch die Alte Oldenburger Krankenversicherung AG, bei der Nike versichert ist, teilte nach KURIER-Anfrage mit: „Ein Assistenzhund kann nicht als Hilfsmittel im Sinne der vertraglichen Vereinbarungen angesehen werden.“
Im Juli ist Felix fertig ausgebildet und könnte zu Nike nach Hause. Einen Platz für sein Körbchen in der Wohnküche hat sie ihm schon ausgesucht. „Ich hoffe, dass uns jemand hilft, Felix zu finanzieren“, sagt Bettie Weissert.
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