11. September

25 Jahre 9/11: Zehntausende haben Krebs – wurden in New York damals alle angelogen?

Am 6. Oktober 2001 warnte die Stadt intern vor Asbest – am selben Tag erklärte Bürgermeister Rudolph Giuliani die Luft für sicher.

Foto von Autor/Autorin: Tobias Esters
Lesezeit 3 Min
New York nach den Anschlägen am 11. September. (Archivbild)

New York nach den Anschlägen am 11. September. (Archivbild)

© Beth A. Keiser/AP/dpa

New York begeht an diesem Freitag den 25. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center. Fast 3.000 Menschen starben am 11. September 2001. Doch dieses Gedenkjahr hat einen bitteren Beiklang. Drei Tage vor dem Jahrestag, am Dienstag, hat Bürgermeister Zohran Mamdani mehr als 170.000 Seiten Akten freigegeben. Es geht um die Luft über Ground Zero und um die Frage, ob die Stadt den Menschen die Wahrheit gesagt hat.

New York warnte intern und gab öffentlich Entwarnung

„Menschen wurden krank, weil die Verantwortlichen, denen sie vertrauten, sie belogen und ihnen sagten, es sei sicher, diese giftige Luft einzuatmen“, sagte Mamdani bei der Pressekonferenz am Dienstag.

Ein Dokument steht für den Vorwurf wie kein zweites. Am 6. Oktober 2001 schrieb der stellvertretende Gesundheitsbeauftragte Kelly McKinney intern, die Asbestbelastung an mehreren Stellen mache die Gebäude noch nicht wieder bewohnbar. Am selben Tag erklärte der damalige Bürgermeister Rudolph Giuliani öffentlich, die Luft sei sicher.

Die Akten beschreiben nach Darstellung der Stadt weitere Versäumnisse: verschwiegene Asbestwerte, eine verdeckte Bleibelastung in einem Behördengebäude, Anwohner, die in ihre staubigen Wohnungen zurückkehrten. Viele klagten danach über Nasenbluten, Hautausschläge, Kopfschmerzen und Asthma. In Chinatown, direkt am Rand des Trümmerfelds, traf es besonders viele - Informationen auf Chinesisch gab es damals kaum.

Rauchschwaden steigen aus einem der Türme des World Trade Centers auf. (Archivbild)

Rauchschwaden steigen aus einem der Türme des World Trade Centers auf. (Archivbild)

© Chao Soi Cheong/AP/dpa

Der damalige Bürgermeister Giuliani ließ über sein X-Konto mitteilen, die US-Umweltbehörde EPA habe die Luft für sicher erklärt, das sei ein Fehler gewesen, vertuscht habe niemand etwas. Er selbst sei ebenfalls lungenkrank, weil er sich nicht habe davon abhalten lassen, den Menschen zu helfen.

Michael Bloomberg, Giulianis Nachfolger, hatte im Februar 2002 gesagt, alle Tests zeigten Werte im zulässigen Bereich. Ein Sprecher wollte sich gegenüber CNN nicht äußern. Die frühere EPA-Chefin Christie Whitman erklärte, ihre Aussagen hätten sich vollständig auf die Analysen der Behörden-Wissenschaftler gestützt.

49.000 anerkannte Krebsdiagnosen

Die Zahlen dahinter sind gewaltig. Mindestens 140.000 Menschen aus allen 50 US-Bundesstaaten sind im Gesundheitsprogramm für WTC-Betroffene registriert, 49.000 haben eine anerkannte Krebsdiagnose, so das 9/11 Memorial. Krebs war lange gar nicht abgedeckt, erst 2012 kam er dazu, nach jahrelangem Druck von Betroffenen.

Die Akten sind ab sofort kostenlos über ein durchsuchbares Portal abrufbar. Es sei erst der Anfang, sagte der Rechtsvertreter der Stadt, Steve Banks: Im Lauf des kommenden Jahres sollen weitere Dokumente folgen.

Es war der schwerste Terroranschlag der Geschichte: 2996 Menschen starben, mehr als 6000 wurden verletzt. 19 Täter entführten an jenem Morgen vier Passagiermaschinen an drei US-Flughäfen, töteten die Piloten und machten die Flugzeuge zur Waffe. Um 8.46 Uhr Ortszeit schlug die erste Maschine in den Nordturm des World Trade Centers ein, um 9.03 Uhr die zweite in den Südturm. Ein drittes Flugzeug traf das Pentagon, das vierte stürzte bei Shanksville in Pennsylvania ab.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com