Die Terrorangst führt dazu, dass der Bund den Schutz rund um den Reichstag verschärfen will. Die Fläche vor dem Westportal des Parlaments soll zu einer Sicherheitszone werden. Der Bund will quer über den Platz der Republik einen 2,50 Meter tiefen und zehn Meter breiten Graben ziehen. Außerdem soll der Bereich um die Rampe zum Westportal des Parlamentsgebäudes mit einem Sicherheitszaun geschützt werden. Das geht aus Planungsunterlagen hervor, die dem KURIER vorliegen.
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Graben und Zaun sollen im Zuge des Baus des Besucher- und Informationszentrums des Bundestags (BIZ) entstehen, das am Rande des Tiergartens errichtet werden soll. Jeder Besucher, der das Reichstagsgebäude besichtigen will, soll künftig im BIZ die Sicherheitskontrolle durchlaufen und anschließend durch einen Tunnel bis vor das Westportal des Parlaments laufen, um von dort das Haus zu betreten. Graben und Zaun sollen verhindern, dass Besucher unkontrolliert in den Reichstag gelangen.
Außer einem begrünten Graben, wie er jetzt geplant ist, standen zwischenzeitlich auch ein Wasserbecken und ein Wassergraben zur Diskussion. Im Hause von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) werden die Überlegungen für einen besseren Schutz des Reichstags bestätigt. „Es ist der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen bekannt, dass der Bund aus Sicherheitsgründen eine Abschirmung auf dem Platz der Republik hin zum Reichstagsgebäude plant“, sagt Behördensprecherin Petra Rohland.
Eine endgültige Entscheidung für eine Variante seitens des Bundes stehe aber noch aus. „Die vorgeschlagene Variante eines Grabens ist aus städtebaulicher Sicht die zu bevorzugende Variante“, sagt Rohland, da dabei der „Blick auf den Bundestag nicht versperrt“ werde. Die Pläne seien „genehmigungsfähig“, wenn der Bebauungsplan für das Areal festgesetzt sei.
Der Graben kommt plötzlich
Der Graben soll nach den Unterlagen als sogenannter Aha-Graben ausgebildet werden. Unter Aha-Graben wird ein seit dem 19. Jahrhundert gängiges Gestaltungselement der Gartenbaukunst verstanden. Das Besondere: Der Graben ist aus der Ferne nicht zu sehen, weil er unter dem Geländeniveau liegt. Auf der einen Seite führt eine Böschung hinab, auf der anderen Seite ragt eine Wand so hoch wie eine Mauer, die nicht zu überwinden ist. Der Name Aha kommt verschiedenen Quellen zufolge daher, dass der Graben erst erkannt wird, wenn man kurz davor steht – er drückt also das Erstaunen des Betrachters aus.
Mit dem Bau des Besucher- und Informationszentrums des Bundestags sollen die Kontrollen in den provisorischen Baracken am Rande des Platzes der Republik ein Ende finden. Diese waren nach Terrorwarnungen im November 2010 nötig geworden, galten aber gestalterisch nur als Notlösung.
Sicherheitszone von 50 Metern um das Gebäude
Errichtet werden soll das BIZ nach Plänen des Züricher Architekten Markus Schietsch und des Landschaftsarchitekten Lorenz Engster. Sie haben sich bei einem Wettbewerb 2015/2016 durchgesetzt. Die Kostenobergrenze für das Projekt wurde vom Ältestenrat des Bundestags auf 150 Millionen Euro festgelegt. Ob es dabei bleibt, ist unklar. Das gilt genauso für den Terminplan. Noch hat der Bau des BIZ nicht begonnen. Als möglicher Fertigstellungstermin wurde zuletzt Ende 2022, spätestens Mitte 2023 genannt.
Das Bedürfnis nach mehr Schutz zeigt sich auch in den Planungen für das BIZ. Um das Gebäude soll eine 50-Meter-Sicherheitszone errichtet werden. So sollen die Menschen, die sich dort aufhalten, vor terroristischen Anschlägen mit Lastwagen wie auf dem Breitscheidplatz geschützt werden. Als Schutzmaßnahme sind Poller am Rand der Scheidemannstraße im Gespräch. In aktuellen Überlegungen, die dieser Zeitung vorliegen, werden Poller allerdings auch „mitten in den Wegen des Tiergarten“ zur Diskussion gestellt, also im Gartendenkmal.
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