Dabei hatte S-Bahn-Chef Peter Buchner doch gerade erst den Fünf-Minuten-Takt angekündigt. Wie die KURIER-Recherche ergab, kommt der aber vorerst nicht. Weil so vieles bei der S-Bahn nicht klappt, wie es soll, startet heute die KURIER-Serie „Die Akte S-Bahn“.
S-Bahn-Chef Peter Buchner kündigte den Fünf-Minuten-Takt innerhalb des Rings vor wenigen Tagen an. Was er aber nicht sagte: Was die verkürzten Intervalle am Ende kosten würden und ob sie technisch überhaupt machbar sind.
Die Antworten auf beide wichtigen Fragen sind ernüchternd, wie die KURIER-Recherche ergab.
Insider erklären, dass die verkürzte Taktung mehr als 300 Millionen Euro kosten würde. Das gehe aus einer noch nicht veröffentlichten Experten-Studie (sie hat 360 Seiten) hervor.
Doch die Millionen zahlt nicht etwa die S-Bahn. Bezahlen müssten das „jene, die die Leistungen bestellen“, umschreibt der Sprecher der S-Bahn.
Was im Klartext heißt: Entweder die Länder Berlin und Brandenburg zahlen oder die Fünf-Minuten-Intervalle bleiben ein frommer Wunsch für die Zukunft.
Und das wird es wohl. Denn das arme Berlin mit seinen Milliarden Euro-Schulden wird sich solche Zuschüsse wohl kaum leisten können, auch wenn der Senat die Fahrgastzuwächse bei der S-Bahn (402 Millionen Fahrgäste 2013 – plus sieben Millionen) begrüßt.
Für eine höhere Taktung bräuchte man mehr Züge. Doch woher nehmen? Denn die Sanierung der alten Züge läuft finanziell schon jetzt aus dem Ruder.
Für Finanzprobleme sorgen die Mehrkosten für die alten S-Bahn-Züge (Baureihen 480 und 485, teils noch aus DDR-Beständen), die durch das S-Bahn-Chaos länger als geplant im Einsatz bleiben.
Eigentlich sollten sie ja ab 2017 durch neue Züge ersetzt werden. Die hat man aber wegen Ausschreibungsstreitigkeiten mit dem Senat bekanntlich nicht rechtzeitig bestellt.
Berlin gab im EU-Amtsblatt bekannt, dass erst ab 2020 die ersten neuen Züge rollen werden. Die Folge: Die alten Züge müssen flott gemacht werden.
Die Kosten schätzten S-Bahn und Senat ursprünglich auf 100 Millionen Euro. Das geht aus der Antwort von Staatssekretär Christian Gaebler auf eine Kleine Anfrage des Grünen Verkehrssprechers Stefan Gelbhaar hervor.
Darin hießt es noch: „Der Senat geht davon aus, dass sich dieser Aufwand erheblich reduzieren lässt.“
Denkste! Genau das Gegenteil ist der Fall. Vom Senat beauftragten Experten beziffern die Kosten für die Instandsetzung und –haltung der Züge nun mit mindestens 150 Millionen Euro.
Hinter vorgehaltener Hand munkelt man sogar von 200 Millionen Euro. Hinzu kommt: „Für neue Züge werden trotzdem 600 Millionen Euro fällig. Und gekauft werden müssen die!“, so Stefan Gelbhaar.
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