„Nazis raus“

AfD-Demo trifft mitten in Berlin auf Gegen-Demo

Trotz weiträumiger Absperrung treffen die Demonstranten mehrfach aufeinander.

BK
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Demonstranten protestieren auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor gegen eine Demonstration der AfD. 

Demonstranten protestieren auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor gegen eine Demonstration der AfD. 

© dpa

Kurz nach Mittag ist am Sonntag der Washington-Platz am Hauptbahnhof tatsächlich voll von AfD-Mitgliedern und ihren Anhängern. Viele schwarz-rot-goldene Fahnen werden in den Wind gehalten. Auf Plakaten steht: „Zeit für eine Wende“, „Wir sind das Volk“, „Faxen dicke“. Über dem Platz kreist ein Hubschrauber und unten rufen die Leute sehr laut: „Merkel muss weg.“

Vor Beginn der Kundgebung sagt Andreas Kalbitz, AfD-Chef in Brandenburg: „Es gibt keinen konkreten Anlass, dass wir an diesem Tag demonstrieren. Es ist immer der richtige Zeitpunkt, gegen Merkels völlig verfehlte Politik zu demonstrieren.“

Er sagt, das bunt gemischte Publikum zeige, dass die AfD nicht für eine Randgruppe stehe, sondern für die Mitte der Gesellschaft. Mit der Demonstration solle gezeigt werden, dass die AfD sich neben ihrer Arbeit in den Parlamenten als Bürgerbewegung versteht.

„Mit dieser Demo soll die Dynamik zur politischen Veränderung gefeuert werden, dazu braucht es eben auch eine außerparlamentarische Opposition.“ Über den Platz hallen immer wieder endlose Merkel-muss-weg-Sprechchöre, aber auch „Rein ins Kanzleramt“.

Dazu sagt Kalbitz: „Es geht nicht um die Frage, ob wir Verantwortung in den Ländern oder im Bund übernehmen, sondern unter welchen Bedingungen.“ Wenn es der Polizei nicht gelingt, das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit gegen die Gegendemonstranten durchzusetzen, dann zeige dies eine weitere Erosion des Rechtsstaates.

Extrem weiträumig abgeriegelt

Nicht nur das Gelände um den Hauptbahnhof, sondern auch das Gelände um den Reichstag ist extrem weiträumig abgeriegelt. Überall Polizeiwagen und martialisch ausgerüstet Polizisten. Überall stehen die Gegner der AfD in dicht gedrängtenden Reihen. Zum Beispiel am gegenüberliegenden Ufer der Spree und auch hier gibt es einen Hauptlosung: „Nazis raus.“

Das Publikum bei der AfD besteht zu gut zwei Dritteln aus Männern, die natürlich nicht mit der verhassten Systempresse reden, aber das tun auch nicht die Frauen, von denen ein großer Teil doch überraschend jung ist.

Der erste Redner ist Christoph Berndt von dem Verein „Zukunft Heimat“, der in Cottbus seit fast einem Jahr Demonstrationen mit bis zu 4000 Teilnehmern gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung veranstaltet. Berndt macht klar, dass es hier um nicht weniger als einen generellen gesellschaftlichen Umbruch geht. Er spricht davon, dass die Volkspartei AfD dazu beitragen müsse, „die Zerstörung unserer Heimat durch die unsäglichen Merkel-Regierung“ zu stoppen.

Als dann sofort wieder die Merkel-muss-weg-Sprechchören beginnen, sagt er: „Damit wäre es nicht getan. Unsere Arbeit wäre auch nicht mit der Wahl von Alexander Gauland zum Bundeskanzler beendet.“ Er fordert eine geistige Wende und ein Ende der unkontrollierten Masseneinwanderung. Bei seiner Rede sagt dann Andreas Kalbitz, dass die AfD die letzte Chance auf eine evolutionäre Veränderung im Lande sei.

„Schicksalstag für Deutschland“

So gehts weiter. Der Islam gehört nicht zu Deutschland, heißt es. Und Beatrix von Storch behauptet: „Heute ist ein Schicksalstag für Deutschland, und die Frage lautet: Freiheit oder Islamisierung?“ Als sich der Demonstrationszug in Bewegung setzt, wird er von einem massiven Polizeiaufgebot geleitet. Alle Beamten aus mehreren Bundesländern sind gesichert mit Helmen, Schusswesten, Schlagstöcken und Pistolen. Und allen Punkten, an denen sich AfD-Leute und die Gegendemonstranten treffen, wird es laut

Die einen rufen: „Ganz Berlin hasst die AfD“, die anderen: „Wir sind hier, und wir sind laut, weil ihr uns die Heimat raubt.“ Die Zahl der Gegendemonstranten ist für dieses sehr heiße Wetter überraschend hoch: An den neun Punkten, an denen beide Seiten aufeinander treffen, stehen jeweils bis zu halb so viele AfD-Gegner wie Demonstranten. Zum Beispiel auf der gesamten Länge zwischen den ARD-Hauptstadtstudio und dem Bahnhof Friedrichstraße.

Die Polizei schafft es, mit Sicherheitsgittern und massiven Kräften eine Blockade der Demo zu verhindern. Am Brandenburger Tor, dem Zielpunkt der Demo, brüllen sich beide Seiten dann an: „Nazis raus.“ 

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