Nazi-Faust an der Staatsoper

Schock oder öde Oper?

„Monty Python“-Chef Terry Gilliam hatte schon frischere Ideen.

Gerhard Lehrke
Lesezeit 2 Min
Soldaten und Sportler vorm Hakenkreuz, Mephistoles in SS-Uniform.

Soldaten und Sportler vorm Hakenkreuz, Mephistoles in SS-Uniform.

© dpa

Das ist nun nicht die neueste aller Ideen auf Bühnen, der Amerikaner hat fürs Kino schon frischere Ideen entwickelt – „Das Leben des Brian“, „Brazil“ und „12 Monkeys“ zeugen davon.

Hitlergruß: Ob das das Publikum schockiert? Oder eher langweilt?

Hitlergruß: Ob das das Publikum schockiert? Oder eher langweilt?

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Faust ans Hakenkreuz geschlagen, Marguerite (bei Johann Wolfgang von Goethes Faust heißt sie Gretchen) im KZ sterbend, der Chor in SA-Braun – das erzeugt einprägsame Bilder. Sie sind der letzte Teil des Stücks, das sich um den Pakt des Wissenschaftlers Faust mit Mephistopheles dem Teufel und die göttliche Erlösung Marguerites dreht.

Verfall des deutschen Geisteslebens

Gilliam hat das 1846 in Paris uraufgeführte Stück, das auf Goethes Faust beruht, mit Ideen aus Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ verknüpft. Er holt die Story aus der Zeit um 1500 in die jüngere Geschichte, schlägt einen Bogen von deutscher Romantik und den Monarchien des 19. Jahrhunderts über den Ersten Weltkrieg bis zum Nazireich.

Mezzosopran-Sängerin Magdalena Kozena (Marguerite), der Tenor Charles Castronovo (l) als Faust und Bassbariton Florian Boesch als Mephistopheles.

Mezzosopran-Sängerin Magdalena Kozena (Marguerite), der Tenor Charles Castronovo (l) als Faust und Bassbariton Florian Boesch als Mephistopheles.

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Gezeigt werden soll so der Verfall des deutschen Geisteslebens: Am Anfang steht der Maler Caspar David Friedrich, am Ende die Massen-Ästhetik Leni Riefenstahls im Dienste der Nationalsozialisten.

Das Publikum im Schillertheater konnte sich auf große Namen einrichten: Am Pult Sir Simon Rattle, Chefdirigent der Philharmoniker, seine Frau Magdalena Kozena als Marguerite, Charles Castronovo als Faust und Florian Boesch als Mephistopheles.

Am Ende gab es neben einigen Buhrufen vor allem tosenden Beifall. 

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