Dienstag, 13. Januar 2015, 19.13 Uhr. Der Eintrag auf Facebook ist ein Schlag ins Gesicht: „Metastasen an Niere und Magen!“ Darunter: Über 340 Kommentare. „Oh nein.“ „Mir fehlen die Worte.“ Und ein hoffnungsvolles „Du gewinnst! Gib nicht auf!!!“
Aufgeben? Auf keinen Fall. Nadine kämpft, seit fünf Jahren. An ihrer Seite: Mann Florian (35), Tochter Lara (10) – und 4000 Facebook-Freunde. Fans einer mutigen Frau, einer tapferen Mutter.
2010 ging die Spandauerin zum Frauenarzt, weil sie ihre Regel nicht bekam. „Die Ärztin sagte, ich soll abnehmen“, erzählt sie. Ein Irrtum. Mehr Symptome folgen: Stimmungsschwankungen, Rheuma, Migräne, unreine Haut, Schmerzen. „Ich war zeitweise zu nichts zu gebrauchen“, sagt Nadine. Doch jeder Arzt, zu dem sie ging, behandelte nur einzelne Symptome. „Heute wissen wir: Zusammen sind alle charakteristisch für Krebs.“
Erkannt wurde das nicht. Erst im Januar 2014, nach vielen Untersuchungen und Tests, zeigt sich ein Tumor an der Nebenniere. In den meisten Fällen gutartig, bei Nadine franst er aus.
„Am Tag der Diagnose haben wir uns gestritten“, sagt Nadine, lächelt ihren Mann an. Sie ging allein zum Arzt. Zuerst die Freude: Die Ärzte haben etwas gefunden – die Chance, alle Symptome zu beseitigen! Dann: bösartig. „Im Wartezimmer liefen die Tränen“, sagt Nadine.
Mit einem Fotografen-Team entstand ein Kalender – dies ist eines der zwölf Porträts von Nadine. www.nadine-und-das-leben-mit-dem-krebs.de
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Ihren wichtigsten Stern trägt Nadine bei sich. Auf dem Arm, eintätowiert. Darin steht: „Fuck Cancer“ – „Fick dich, Krebs“.
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OP im Februar, 12 Zentimeter werden entfernt. Die Chemo beginnt. Bis zu 25 Tabletten muss sie am Tag schlucken, kämpfen gegen den Rückfall. Er kommt trotzdem, gleich vierfach. Ende des Jahres die neue OP. Schwere Stunden, Tage, Wochen.
Nadine will die Erlebnisse konservieren, für Tochter Lara. „Damit sie später vieles nachlesen kann“, sagt sie. Die Facebook-Seite „Nadine und das Leben mit dem Krebs“ hat erst wenige Leser, dann explodiert die Fangemeinde. Hunderte Nachrichten kommen, tröstende Worte, Fragen. „Einer wollte wissen, wie er seiner krebskranken Tochter die Angst vor dem Sterben nehmen kann“, sagt Florian. Eine Angst, die sich auch im Leben der Familie hält. „Nicht die Angst vor dem Tod, eher davor, euch zurückzulassen“, sagt sie zu ihrem Mann.
Nadine versucht, ihr Leben zu genießen. Nach der ersten Behandlung waren die Stimmungsschwankungen, die sie gefangen hielten, bekämpft. Die Familie rückte zusammen, Hochzeit im April. Nadine: „Ich versprach, dass ich gesund werde.“
Doch der Kampf geht weiter. Jetzt der Rückfall. Die Chancen auf Heilung sind trostlos, sagt Nadine, dafür sind Nebennierenkarzinome zu wenig erforscht. Sie weiß: Ihr Leben wird ein Kreislauf sein aus Symptomen, Operationen, Chemos.
Und auch aus Träumen und Hoffnung. Nadine hat noch große Pläne – finanziell schwierig, denn ihrem Job als Kauffrau im Groß- und Einzelhandel kann sie nicht mehr nachgehen. „Aber ich sterbe nicht gleich“, sagt sie. Florian klopft mit dem Finger auf den Tisch. „Du stirbst gar nicht.“
Schon in „Der kleine König Dezember“ heißt es: „Und wer tot ist, wird ein Stern.“ Auch Nadine hat eine Leidenschaft für Sterne und Licht. „Ich würde gern noch einmal nach Las Vegas reisen, das Licht dort sehen, die Sterne anschauen“, sagt sie.
Ihren wichtigsten Stern trägt sie bei sich. Auf dem Arm, eintätowiert. Darin die Schrift: „Fuck Cancer“ – „Fick dich, Krebs“.
Nadine schreibt bei Facebook über ihren Kampf unter "Nadine und das Leben mit dem Krebs"
Ein Kalender mit zwölf Porträts von Nadine gibt es unter www.nadine-und-das-leben-mit-dem-krebs.de
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