Nacktkater Willi

Nach Kastrations-Urteil: Jetzt redet sein Frauchen

Er hat kein Fell, keine Tasthaare – und wenn es nach dem Willen eines Berliner Gerichts geht, hat Willi demnächst auch keine Männlichkeit mehr. Jetzt spricht seine Besitzerin, die Katzenzüchterin Jacqueline L.

P. Debionne
Lesezeit 2 Min
Ein Herz und eine Seele: Kater Willi (4) und sein Frauchen Jacqueline L. aus Spandau (41).

Ein Herz und eine Seele: Kater Willi (4) und sein Frauchen Jacqueline L. aus Spandau (41).

© Thomas Lebie Lizenz

„Es ging um die Frage, ob mein Willi durch das Fehlen der Tasthaare beeinträchtigt ist“, so die 41-Jährige zum KURIER. Ja, befand das Gericht und meinte zudem, dass „Schmerz, Schäden und Leiden auftreten“. Zuvor hatte ein Gutachter erklärt: „Das Fehlen eines Sinnesorgans bewerte ich als Schaden.“

Tatsächlich benutzen Katzen ihre Tasthaare zur Orientierung, vor allem in der Dunkelheit. Canadian Sphynx, so die offizielle Bezeichnung für die haarlose Katzenrasse, fehlen diese Tasthaare. Deswegen landeten Kater Willi und seine Besitzerin vor Gericht.
Doch glaubt man der Katzenzüchterin, ist Willi putzmunter und vermisst seine Tasthaare überhaupt nicht: „Er ist genauso fit wie andere Katzen. Spielt, schmust und frisst. Und die fehlenden Tasthaare gleicht er mit seinen anderen Sinnen aus.“

Auch das Ergebnis des Gutachters hält sie für fragwürdig: „Willi wurde nachts überhaupt nicht begutachtet. Ich habe das Tier doch rund um die Uhr bei mir und weiß, dass es ihm gutgeht.“ Jetzt will Jacqueline L. vor das Oberverwaltungsgericht ziehen – nicht nur, um Willis Zwangskastration zu verhindern.

„Wenn die offizielle Zucht dieser Rasse verboten wird, werden diese Tiere in die Hände von Schwarzzüchtern gelangen. Und damit ist Tierquälerei vorprogrammiert. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“

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