Per Nachtzug in die Stadt der Liebe. Allein der Gedanke weckt Sehnsüchte. Man fragt sich, wieso es die PR-Berater von Bahn-Chef Rüdiger Grube (63) ihrem Boss nicht ausredeten, den Zug Mitte Dezember 2014 einzusparen (KURIER berichtete).
Denn kaum war die Fahrplan-Lücke gerissen, griffen die Russen zu. Ihre Bahngesellschaft RZD ist jetzt – buchstäblich – am Zug. Erst seit wenigen Tagen setzt sie ihre historische Verbindung Moskau-Berlin-Paris so ein, dass die Reise von der Spree an die Seine zur Nachtfahrt wird. Doch wer nicht hobbymäßig nach Eisenbahn-News googelt, erfuhr es einfach nicht. Feierliche Einweihung, Pressekonferenz? Nichts!
Der KURIER hilft da mal mit den Fakten aus: Der Euro-Night 452, dessen Wagen im Wiener Siemens-Werk gebaut wurden, braucht 13 Stunden vom Berliner Hauptbahnhof zum Gare de l’Est. Der grau-rote Zug fährt in den Sommermonaten zweimal pro Woche – freitags und sonnabends. Das Ticket im Vierer-Liegewagen der zweiten Klasse kostet, je nach Buchungstag, 117 bis 130 Euro. Die Rückreise startet sonnabends oder sonntags.
Wer jetzt an die Planung seiner Hochzeitsreise oder Nachtzug-Fahrten wie im Filmklassiker „Manche mögen’s heiß“ denkt, der sollte eines wissen. In den fabrikneuen Waggons des Wodka-Express muss man für die romantischen Gefühle schon selbst sorgen. Denn offizielle Fotos des Russen-Zugs zeigen eher sterile, graue Gänge und funktionale Abteils. Aber egal, es geht ja schnurstracks in die Stadt der Liebe!
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com