Nachts auf dem U-Bahnhof

Hier rückt das Killer-Kommando an

Unbekannte spielen Anti-Terror-Kampf – BVG warnt: Das Spiel ist lebensgefährlich!

Philippe Debionne
Lesezeit 3 Min
Völlig unverfroren zeigt die Gruppe ihre Ballervideos im Internet.

Völlig unverfroren zeigt die Gruppe ihre Ballervideos im Internet.

© YouTube/Taktikball

Keine Übung der Berliner Polizei, sondern das extrem fragwürdige „Spiel“ einer Gruppe Unbekannter. Bei der BVG spricht man von Hausfriedensbruch und warnt: Leute, euer Spiel ist lebensgefährlich!

Kick in der Öffentlichkeit

Seit einigen Wochen kursieren mehrere Videos im Internet, die das martialische Treiben der Waffennarren zeigen. Das Prinzip ähnelt dem von Gotcha: Zwei Gruppen schießen mit speziellen Waffen aufeinander, wer trifft, bekommt einen Punkt. Während die Spieler bei Gotcha mit Farbkugeln aufeinander schießen, wird bei der Weiterentwicklung mit Laser aufeinander geballert. Am Körper getragene Sensoren erkennen, wenn ein Spieler getroffen wird.

In Berlin gibt es eigene Hallen, in denen sich Laser-Tag-Fans austoben können. Doch das scheint den Mitgliedern der Gang mit dem Namen „Taktikball“ nicht zu reichen, sie suchen den Kick in der Öffentlichkeit. So wie jetzt am U-Bahnhof Fehrbelliner Platz.

Das Video wirft Fragen auf

„Wir haben das selbstverständlich nicht genehmigt“, sagt Petra Reetz von der BVG. Sie habe erst durch die KURIER-Anfrage von den nächtlichen Ballereien erfahren. Nach eingehender Prüfung der Videos durch den Sicherheitsdienst der BVG konnte laut Reetz festgestellt werden, dass die Laser-Schießereien „nachts stattgefunden haben müssen, als der U-Bahnhof geschlossen war.“ Das sei auf der einen Seite „gut, weil somit eine mögliche Gefährdung von Fahrgästen zu keinem Zeitpunkt gegeben war“.

Allerdings stellt sich dann die Frage, wie die Waffenfreaks überhaupt auf den U-Bahnhof gelangt sind. Denn der Fehrbelliner Platz ist nach Betriebsschluss mit Gittern verschlossen. Auch durch die Tunnel kann die Baller-Gang nicht gekommen sein. Petra Reetz: „Die U-Bahn-Tunnel sind mit Infrarot-Kameras ausgestattet. Wenn da nachts jemand durchgeht, bekommen wir das mit.“

„Ein Bahnhof ist kein Spielplatz“

Sind die Männer durch einen Noteingang in den U-Bahnhof gelangt? Oder haben die bislang Unbekannten möglicherweise sogar einen Schlüssel zu den Toren an den Eingängen zum Fehrbelliner Platz, weil mindestens einer von ihnen bei der BVG arbeitet? „Das versuchen wir jetzt mit Hochdruck herauszufinden“, sagt Reetz. „Wir werden in jedem Fall Anzeige bei der Polizei wegen Hausfriedensbruch erstatten“, so die Sprecherin weiter.

„Um das mal in aller Deutlichkeit zu sagen: Ein Bahnhof ist kein Spielplatz, auch nicht für große Jungs!“ Was für die Sprecherin jedoch noch viel wichtiger ist: „Das ist lebensgefährlich, was diese Männer da veranstalten.“

Denn die stromführenden Schiene, die seitlich am Gleis angebracht ist, steht rund um die Uhr unter Starkstrom. „Wenn da einer im Eifer des Gefechts einen falschen Schritt macht und auf diese Schiene fällt, war es das. Dann ist er tot.“

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