Kairo Wutschreie aus den Kehlen von Hunderttausenden Ägyptern gellten gestern Abend durch Kairo. Es waren Schreie der Enttäuschung. Den ganzen Tag hatten die Demonstranten wieder auf dem Tahrir-Platz ausgeharrt und gehofft, dass Präsident Husni Mubarak in einer TV-Rede seinen Rücktritt bekannt gibt. Er tat es nicht. Die Spannung unter den Demonstranten erhöhte sich sprunghaft. "Rücktritt", "Rücktritt" schrien sie. Es wurde eine laute Nacht. Nach 17 Tagen hartnäckiger Demonstrationen sind sie offenbar nicht bereit, auch nur einen Schritt zurückzuweichen. Man konnte die Wut mit Händen greifen und viele befürchten nun, dass die Situation sich zuspitzt und wieder Blut fließt. Das wird vor allem auch vom Militär abhängen. Die Armee hatte die Truppen in der Stadt verstärkt. Man werde alle Forderungen des Volkes erfüllen, hieß es aus Kreisen des Militärs aber. Ein Offizier: "Wir erwarten Anweisungen, die das Volk glücklich machen werden." Aber nicht nur die Armee wendet sich vom Präsidenten ab, auch die Regierungspartei forderte ihn zum Amtsverzicht auf. Generalsekretär Badrawi sagte, er wäre überrascht, wenn Mubarak am Freitagmorgen noch Präsident wäre.Ganz nach Despoten-Art ließ der Herrscher das Volk warten. Die Regime-Gegner aber blieben auf dem Tahrir-Platz und feierten bereits, so sicher waren sie sich ihres Sieges schon."Wir wollen Demokratie und eine zivile Regierung", riefen sie. Dann trat der Despot vor die Kameras. In blumigen Worten sprach er zu seinen Landsleuten, davon, dass er ihre Anliegen verstehe. "Ich trete zurück" - den Satz, auf den die ganze Welt wartete, sagte er aber nicht. Stattdessen sprach er von Veränderungen der Verfassung, von einem sanftem Übergang. Die Menschen auf den Straßen empfinden dies als Provokation...------------------------------Foto: Mit maßloser Enttäuschung und Zorn reagierten die Demonstranten auf Mubaraks Rede.
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