Nach Großbrand in Grünau

Streit um Teilabriss des Gesellschaftshauses

Ortsverein wirft Investor ungenehmigte Abbruch-Arbeiten vor.

Mike Wilms
Lesezeit 2 Min
Feuerwehrkräfte bei den Löscharbeiten des denkmalgeschützten Gebäudeensembles in Grünau.

Feuerwehrkräfte bei den Löscharbeiten des denkmalgeschützten Gebäudeensembles in Grünau.

© Morris Pudwell

„Zwei Statik-Experten haben uns bestätigt, dass das Bauwerk nach dem Brand vom 16. Juli nicht so stark beschädigt war, wie es dargestellt wurde“, sagt Nils-R. Schultze vom Ortsverein Grünau. Die Außenwände hätten stabilisiert und gerettet werden können.

Es spreche aus seiner Sicht einiges dafür, dass der Teilabriss vielleicht billiger, aber nicht die beste Lösung für das einstige Ausflugslokal sei.

Hintergrund: Bereits am ersten Tag des Teilabrisses, dem 5. August, hatten Vertreter des Ortsvereins die Polizei und den Denkmalschutz zu der Baustelle gerufen. „Es zeigte sich, dass Abbrucharbeiten abweichend von der denkmalrechtlichen Genehmigung ausgeführt wurden“, bestätigte das Bezirksamt Treptow-Köpenick noch am selben Tag in einer Mitteilung.

Statt im ersten Obergeschoss nur bis zur Brüstung abzureißen, sei bis zum Fußboden abgerissen worden, sagt Nils-R. Schultze vom Ortsverein Grünau dem Berliner KURIER. Bei den Arbeiten habe man zudem die vorher noch unversehrte Decke zum Erdgeschoss beschädigt. 

Die bezirkliche Denkmalschutzbehörde prüft jetzt, ob die Entscheidung des Bauleiters, den Abriss trotz fehlender Genehmigung auszuweiten, gerechtfertigt war. Ein Baustopp sei nicht verhängt worden, hieß es gestern. Der Investor, die Terragon AG, teilte auf Anfrage mit, die zusätzlichen Abrissarbeiten seien nötig geworden, um dem Einsturz der restlichen Gebäudeteile vorzubeugen. Man habe keine Wahl gehabt.

Terragon-Vorstandschef Michael Held betont, dass das Mauerwerk nach dem Brand zunächst nur von außen und per Drohne untersucht werden konnte. Erst bei den laufenden Abrissarbeiten sei man dann auf weitere Schäden gestoßen, die einen umfangreicheren Abbruch erzwungen hätten als geplant.

Die Terragon AG besitze nach ausführlichen Abstimmungen mit den Behörden „alle notwendigen Baugenehmigungen“. Das Ziel sei es jetzt, insbesondere die Fassade des Baudenkmals nach historischem Vorbild wiederherzustellen. 

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