„Ich selbst frage mich, wohin ich gehöre“
Die Gäste an ihrem Küchentisch nicken. Auch sie stammen aus Großbritannien und leben inzwischen in Joachimsthal. David Coleman war Pianist und Dirigent an der Berliner Staatsoper. Inzwischen arbeitet er als freischaffender Künstler und hat sich ein Haus in Joachimsthal gekauft, mit der „Bilderbuch-Kulisse“ der Schorfheide, wie er sagt. Wie Phillips hofft auch Coleman, dass es noch ein Zurück gibt – entweder durch ein neues Referendum oder durch einen Regierungsbeschluss.
Dass der Brexit Großbritannien wirtschaftliche Verluste bringen wird, ist bekannt. Schon jetzt sinkt der Wert des englischen Pfunds und der von Immobilien. „Meine Familie ist total verwirrt und ich selbst frage mich, wohin ich gehöre“, sagt Lehrer Adam Bogus. Er ist seit eineinhalb Jahren Joachimsthaler. Enttäuscht von Großbritannien und auch geschockt sei er.
Kein Zurück nach Großbritannien
„Das Referendum zum Brexit 2016 basiert auf der Eitelkeit der regierenden Politiker, die nur an ihrem Machterhalt interessiert waren“, urteilt Ruth Butterfield. Die Übersetzerin, die mit ihrem aus Thüringen stammenden Mann 2009 in die Kleinstadt, ist froh, in Deutschland zu leben. Die ganze Abstimmung sei nicht durchdacht gewesen.
In Phillips’ Bekanntenkreis in der alten Heimat gebe es einige, die in ein EU-Land auswandern wollten, um weiter zur EU zu gehören, erzählt sie. Es würden endlose Diskussionen zum Brexit geführt.
Den Exil-Briten in Joachimsthal ist gemein, dass sie nicht zurück wollen nach Großbritannien – schon gar nicht nach dem Brexit. „Deutschland wird uns nicht rauswerfen“, geben sie sich optimistisch. Doch es bleibt vieles unklar. „Wenn ich eigentlich kein EU-Bürger mehr bin, darf ich dann innerhalb der Europäischen Union reisen, wie bisher oder brauche ich jedes Mal ein Visum?“, fragt Sarah Phillips.
Coleman hat die Unterlagen zur Beantragung der deutschen Staatsbürgerschaft zu Hause liegen, Lehrer Bogus hat gerade die Sprachprüfung dafür gemacht. Phillips scheut sich noch etwas, weil sie ihr schriftliches Deutsch nicht gut genug findet. Übersetzerin Butterfield hingegen hat schon die doppelte Staatsbürgerschaft. (Jeanette Bederke, dpa)
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