Mieterhöhung nach Modernisierung

Göring-Eckardt unterstützt Bewohner

Teure Sanierungsarbeiten sollen die Mieter zum Auszug drängen.

Ulrich Paul
Lesezeit 2 Min
Ein Teil der Fassade ist eingerüstet: 70er-Jahre-Bau Lützow-/Ecke Genthiner Straße.

Ein Teil der Fassade ist eingerüstet: 70er-Jahre-Bau Lützow-/Ecke Genthiner Straße.

© Ulli Paul

Wolfgang Hoth (81) steht im Hof seines Wohnhauses. Nein, der geplanten Modernisierung seiner Wohnung habe er nicht zugestimmt, sagt er. Und das habe er auch nicht vor. Von knapp 800 auf fast 1250 Euro solle seine Miete steigen, sagt der Rentner empört. „Zum Schluss soll ich fast 450 Euro mehr bezahlen.“

Es muss sich etwas ändern

Katrin Göring-Eckardt hört aufmerksam zu. Sie ist am Montagvormittag zu dem Haus an der Lützowstraße/Ecke Genthiner Straße in Tiergarten gekommen. Die Immobilie gilt als Beispiel für teure Modernisierungen, durch die Mieter zum Auszug gedrängt werden. Der Vermieter hat den Bewohnern vor gut einem Jahr mitgeteilt, was er vorhat. Geplant seien etwa eine Fassadendämmung, die Erneuerung der Fenster und die Modernisierung der Heizanlage. Auch Asbest müsse entfernt werden. In einem separaten Schreiben teilte der Eigentümer mit, dass er sich dazu entschlossen habe, die Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umzuwandeln.

Im Gespräch: Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Mieter Wolfgang Hoth.

Im Gespräch: Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Mieter Wolfgang Hoth.

© Ulli Paul

Einige Bewohner der 96 Wohnungen seien mittlerweile weggezogen, sagt Wolfgang Hoth. Er jedoch will bleiben. Mit einer Gruppe weiterer Mieter. Göring-Eckardt stärkt ihnen den Rücken. Sie sei dankbar, sagt sie zu Wolfgang Hoth, dass er geblieben ist. Der Fall zeige, dass sich was ändern muss. Es sei eine „richtig krasse Zumutung“, was hier geschehe. 

„Wir kämpfen weiter“

Das ZDF-Magazin Frontal 21 hat die Mieter des Hauses über ein Jahr im Kampf gegen den Investor begleitet. In dem Beitrag, der an diesem Dienstag von 21 Uhr bis 21.45 Uhr im ZDF läuft, schildern die Reporter Hintergründe. Ein Makler soll dem Bericht zufolge leere Wohnungen mit 75 Quadratmetern für 425.000 Euro angeboten haben – mit Mietern sollten sie 345.000 Euro kosten. Also 80.000 Euro weniger. Kein Wunder, dass manche Eigentümer ihre Wohnungen lieber unbewohnt verkaufen.

Die Grünen-Fraktionschefin sagt, es sei eine Zumutung, dass alles, was hier passiere, möglich sei. Die Modernisierungsumlage müsse von elf Prozent auf sechs Prozent reduziert werden. Eine energetische Sanierung sei zwar sinnvoll, die Energieeinsparung müsse aber nachweisbar sein. Als sich Göring-Eckart verabschiedet, sagt ein Mieter: „Wir kämpfen weiter“. Sie erwidert: „Wir auch.“

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