Was für ein tapferer Kerl. Behrendt (55) war nach dem feigen Verbrechen des Motorradfahrers noch angeschlagen. Reden mochte er nicht darüber. Er ist Opfer und Zeuge und es ist ein laufendes Ermittlungsverfahren. Seit drei Jahren macht er den Job bei den Blau-Weißen. Als er im Sommer 2012 anfing, war ihm schnell klar: „Das passt, das mache ich gerne.“ Insgesamt fährt er seit 37 Jahren Bus. 2006 betreute er bei der WM das Nationalteam der Ukraine, auch die deutsche Frauen-Nationalmannschaft war bei ihm schon an Bord. Der Mann hat einfach Freude am Fahren. Doch die ist seit Sonntagabend getrübt.
Manager Michael Preetz war gestern noch immer fassungslos und ergriff für Behrend das Wort: „Man darf sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn die Kugel die Scheibe durchschlagen hätte. Zum Glück ist unser Busfahrer mit einem Schrecken davongekommen. Wir befürchten alle, dass da noch was nachkommt. Unser Fahrer hat noch nie in den Lauf einer Pistole geguckt.“
Hertha beorderte vorsichtshalber einen zweiten Fahrer nach Bielefeld, der eventuell das Team fahren sollte. Doch Pokalheld Stephan setzte sich wieder ans Steuer, fuhr das Team zum Stadion. Nach dem 2:0 übernahm sein Kollege die Rückfahrt nach Berlin. Die Schonpause gönnten ihm alle. Kapitän Fabian Lustenberger widmete den Sieg dem wahren Pokalhelden: „Wir schätzen Stephan alle sehr, auf ihn ist hundert Prozent Verlass. Der Sieg geht an ihn.“
Erleichterung, aber vorher große Angst. Das Team stand seit Sonntagnacht unter Polizeischutz. Das Mannschaftshotel Klosterpforte im 20 Kilometer entfernten Harsewinkel wurde rund um die Uhr von Sicherheitskräften überwacht. Um 16.45 Uhr fuhr das Team mit dem Bus und Polizeieskorte mit drei Wagen und zwei Motorrädern zum Bielefelder Stadion. Auch in der Arena wurden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht.
Welcher wahnsinnige Verbrecher macht so etwas? Sechs Beamte suchen den Motorradfahrer mit schwarzem Lederanzug und silbernem Helm. „Sofort eingeleitete Fahndungsmaßnahmen blieben zunächst erfolglos. Es wurden erste Zeuge vernommen“, hieß es von der Polizei. Preetz: „Wir wissen, dass die Polizei alles tut, um das aufzuklären.“ Der Bus wurde gestern Mittag bereits in Bielefeld repariert, damit Stephan wieder fahren konnte.
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