Manchester – Sie ist behindert, weil ihre Mutter in der Schwangerschaft Alkohol trank. Nun verhandelt ein Gericht in Nordwestengland, ob das Mädchen (7) vor der Geburt Opfer eines Verbrechens wurde. Ihr Anwalt kämpft für eine Verurteilung der Mutter.
CP – das sind die Initialen einer Siebenjährigen aus Nordwestengland, FAS die Diagnose, die das Mädchen mit der Geburt bekam und ihr Leben lang behalten wird – Fetales Alkoholsyndrom. Die Mutter trank in der Schwangerschaft, täglich eine halbe Flasche Wodka und acht Bier, schreibt der britische „Guardian“. CP wurde deshalb mit Entwicklungsstörungen geboren.
Wie ihr ergeht es auch in Deutschland jedes Jahr bis zu 4000 Kindern. „Alkoholschädigungen sind die häufigste nichtgenetische Ursache für geistige Behinderungen“, sagte Hans-Ludwig Spohr von der Berliner Charité dem KURIER. „Zu den vielseitigen körperlichen Schäden zählen etwa Kleinwuchs, Untergewicht und Mikrozephalus, also ein zu kleiner Kopf.“
Noch als Erwachsene könnten sich die wenigsten Betroffenen selbst versorgen. Spohr: „Mehr als 80 Prozent sind ohne Beruf, viele müssen lebenslang betreut werden. Die Kinder werden unschuldig geschädigt, für immer. Alkohol in der Schwangerschaft ist schwere Kindesmisshandlung, ganz eindeutig.“
Wie Hans-Ludwig Spohr urteilte auch ein Gericht in Großbritannien – in erster Instanz. Der Anwalt, der für CP eine Entschädigung verlangt, bekam vorerst Recht. Ein Berufungsgericht hob das Urteil im Dezember letzten Jahres jedoch wieder auf. Der Grund: Zum Zeitpunkt der Schädigung, als Fötus, war CP noch kein Mensch, die Mutter damit juristisch unschuldig. Noch dazu ist sie krank, suchtkrank. Schon mit 13 Jahren soll sie Alkohol getrunken haben, mit 17 regelmäßig, dazu kamen Drogen.
Der Anwalt des Kindes gab nicht auf, fechtet das Berufungsurteil an. Nun wird neu verhandelt. Spohr glaubt aber nicht an einen juristischen Erfolg: „Davon dass die Mütter im Gefängnis landen, werden die Kinder auch nicht gesund. Denn FAS ist nicht heilbar. Nur vermeidbar.“
Der Arzt plädiert deshalb für Vorbeugung statt Verurteilung: „Aufklärung muss in der Schule beginnen, bevor die Frauen schwanger oder alkoholkrank werden.“ GOL
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