Mutige Schülerin Judith (14)

So schnappte ich den Oma-Räuber!

Diesen Berlin-Besuch bei ihrer Oma wird Judith nicht so schnell vergessen: In der U-Bahn beklauen Taschenräuber ihre Großmutter, doch die Schülerin zeigt es den Ganoven.

Eric Richard und A. Schmalz
Lesezeit 3 Min
Mutig: Schülerin Judith (14) überwältigte einen Dieb und übergab ihn der Polizei. Der Mann hatte die Geldbörse ihrer Oma (78) gestohlen.

Mutig: Schülerin Judith (14) überwältigte einen Dieb und übergab ihn der Polizei. Der Mann hatte die Geldbörse ihrer Oma (78) gestohlen.

© Eric Richard Lizenz

Dienstagabend, gegen 18 Uhr, steigen Judith und Barbara F. am U-Bahnhof Kurfürstendamm vorfreudig in die U-Bahn. Zusammen wollen sie sich den Kinofilm „Kartoffelsalat“ anschauen. Rentnerin Barbara F.: „Schon in der Bahn hat Judith einen merkwürdigen Mann bemerkt, der uns beobachtet hat.“

„Da habe ich gar nicht überlegt, bin einfach los“

Am U-Bahnhof Walther-Schreiber-Platz steigen Oma und Enkelin aus. An einer Rolltreppe steht plötzlich der Typ aus der U-Bahn vor ihnen. „Am Ende der Treppe hat er sich ans Knie gefasst, als ob er Schmerzen hat. Kein Vorbeikommen“, erklärt die 14-Jährige. Gleichzeitig drängt sich von hinten ein zweiter Mann dicht an beide heran. Oben angekommen, schreit Barbara F. fassungslos: „Meine Tasche ist offen. Mein Portemonnaie ist weg.“

Gymnasiastin Judith, die bei der Freiwilligen Feuerwehr ist und bei DLRG hilft, reagiert ohne Zögern und rennt dem Dieb die Treppe runter hinterher. „Da habe ich gar nicht überlegt, bin einfach los“, sagt die Neuntklässlerin aus der bayrischen Provinz. Und Großmutter Barbara ergänzt: „Ich wusste gar nicht, dass Judith so laut schreien kann.“

Um andere Fahrgäste auf die Tat aufmerksam zu machen, rief sie immer wieder lautstark: „Haltet den Mann da fest! Lasst ihn nicht durch!“ Dann verliert die 78-Jährige Charlottenburgerin ihre Enkelin aus den Augen. „Da hatte ich kurz Angst, dass ihr was passiert“, so die Rentnerin.

Doch Judith hat Glück. Einige Passanten hören auf ihre Rufe und versperren dem flüchtenden Täter den Weg in die U-Bahn. Mutig, fast schon naiv greift sie den 52-jährigen Mann und hält ihn fest. „Der hat immer wieder versucht, mich wegzuschubsen, hat es aber nicht geschafft.“ Als sie den SOS-Knopf drückt, kommen ihr BVG-Mitarbeiter zur Hilfe. Dann übergibt die 14-Jährige alarmierten Polizisten den Tatverdächtigen.

Polizei rät zu Vorsicht

Erst jetzt wird ihr bewusst, was passiert ist. Judith erleidet einen Schock und bricht in Tränen aus. Nach einer kurzen Behandlung im Rettungswagen kann sie mit ihrer Großmutter wieder nach Hause. Die Geldbörse mit den rund 200 Euro sucht die Polizei immer noch. Sie wird beim Komplizen des 52-Jährigen vermutet.

Ist dieses beherzte Eingreifen einer 14-Jährigen gegen kriminelle Profis eigentlich angebracht? Oma Barbara: „Ich finde, sie hat alles richtig gemacht. Judith hat viele Fahrgäste auf den Vorfall aufmerksam gemacht.“ Die Ermittler sehen dies differenzierter: „Wir raten: Beim Verdacht einer Straftat, sofort die Polizei zu alarmieren und sich nicht als selbst ernannter Ermittler in Gefahr bringen“, so Polizeisprecher Michael Maaß. Diesmal ging es gut aus.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com