Acht Monate nach dem brutalen Überfall begann der Prozess gegen zwei Männer: Ramazan G. (35) und Önder C. (24). Wie Ö. sind sie türkischstämmig. Um Rache soll es gegangen sein.
Die Anklägerin: „G. wollte sich an Ö. rächen, weil dieser mit seiner Verlobten und nach islamischem Recht angetrauten Frau in den 1990er-Jahren eine Liebesaffäre gehabt und sie entjungfert haben soll.“
In der Nacht zum 9. Februar feierte Ö. mit Bekannten in der Bar „Capulcu“ in der Braunschweiger Straße in Neukölln. Der bullig Mann, der schon als Türsteher gearbeitet haben soll, verließ gegen 2.50 Uhr die Bar. Ramazan G. aber soll ihn bereits eine Stunde lang beobachtet haben. Die Anklage: „Er wies C. an, Selim Ö. zu erschießen.“ Mit einem Revolver soll Önder C., bislang ohne Vorstrafen, dem Opfer gefolgt sein.
Auf einem Supermarkt-Parkplatz stand der silberne Wagen. Ö. setzte sich hinters Steuer. Er war völlig arglos. Der Killer riss die Tür auf, feuerte aus kurzer Distanz. Sechs Kugeln, drei zerfetzten den Kopf des Opfers. Der Todesschütze rempelte auf der Flucht noch eine Passantin an, dann verschwand er. Doch es gingen anonyme Hinweise ein. Zwei Wochen nach dem Mord auf dem Parkplatz klickten für G. und C. die Handschellen.
Selim Ö. galt als eher zwielichtige Figur. Polizei und Justiz sollen ihn wegen Gewalt und Drogen seit Jahren gekannt haben. Eine Verteidigerin vor dem Gerichtssaal: „Er hatte viele Feinde.“ Das von der Anklage benannte Motiv hält sie für „konstruiert“. Es gebe viele Gerüchte, Zeugen vom Hörensagen, aber keine Beweise. Die Angeklagten schwiegen. Fortsetzung: 5. November. KE.
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