Müll-Sauerei

Was die Elektro-Mafia nicht braucht, landet in den Berliner Forsten

Am Mitwoch berichtete der KURIER über eine illegale Giftmüll-Deponie in Marzahn. Woher kommt der Dreck? Unklar, Berliner und Brandenburger dürften beteiligt sein. Doch auch die Elektro-Mafia entsorgt Unbrauchbares in unseren Grünflächen.

MARCUS BÖTTCHER und MARIE BERNINGER
Lesezeit 3 Min
Wie hier vor dem Recyclinghof der BSR in Marzahn warten fast überall zumeist Osteuropäer auf Elektroschrott.

Wie hier vor dem Recyclinghof der BSR in Marzahn warten fast überall zumeist Osteuropäer auf Elektroschrott.

© Friedel Lizenz

An vier Recyclinghöfen der BSR schauen KURIER-Reporter am Mittwoch vorbei. Zwei in Marzahn-Hellersdorf, einer in Treptow-Köpenick, einer in Neukölln. Auffällig: Vor jeder Abgabestelle warten osteuropäische, meist polnische Arbeiter. Neben ihnen lagern Reifen und Möbelstücke, vor allem Fernseher, Waschmaschinen und Radios. Alles defekt.

Jeden BSR-Kunden fragen sie, angehalten mit einer Kreisbewegung der Arme, ob sie ins Auto schauen dürfen. Viele Berliner stimmen zu, überlassen ihren Müll den Wartenden.

Klar: Sie müssen so den Abfall nicht selber ausräumen. Viele denken, sie würden etwas Gutes tun und machen es wahrscheinlich auch, um Geld zu sparen. Doch die Elektroschrott-Entsorgung bei der BSR ist kostenlos.

„Wir nehmen alles. Vor allem Elektrogeräte“, erklärt einer der Wartenden. Ein Pole. Seinen Namen will er nicht nennen. „Wir reparieren die Geräte und verkaufen sie für circa 15 Euro.“

Ein knallhartes, straff organisiertes Geschäft. Allein vor dem Recyclinghof in der Rahnsdorfer Straße (Mahlsdorf) verbringen vier Polen ihre Zeit. Hinter ihnen stehen zwei weiße Transporter. Nach KURIER-Informationen werden circa 5000 Tonnen Elektromüll pro Jahr so illegal entsorgt. Doch: Meist stellt sich erst später heraus, dass nicht alle der eingesammelten Geräte repariert, manche der Geräte nicht als Ersatzteillager genutzt werden können. Trotzdem mitschleppen wäre für die Elektrosammler unrentabel und aufwendig. Wohin also damit?

Die KURIER-Reporter müssen nicht lange suchen. Hinter dem Standort der Elektro-Sammler im Marzahner Nordring ist eine riesige Naturfläche. Zwischen den Bäumen liegen alte Fernseher und Computer-Ersatzteile – genau das also, was die Osteuropäer vorgeben, in ihre Autos zu laden.

Das gleiche Bild in Mahlsdorf. Nur wenige Meter vom Recyclinghof entfernt, an einer Wildwuchs-Stelle nahe dem Hultschiner Damm, lagert in einem Gebüsch Elektromüll, abgerissene Plastikstücke und Kabel, die – in Müllsäcken verpackt – an den Rand geworfen wurden. Für die BSR sind die organisierten Händler laut Sprecherin Sabine Thümler ein „Riesen-Ärgernis. Das Gebaren ist illegal und schadet der Umwelt“. Im Frühjahr soll es ein Pilotprojekt zur Bekämpfung der Elektro-Mafia geben.

Neben einem Recyclinghof türmen sich die Abfallberge.

Neben einem Recyclinghof türmen sich die Abfallberge.

© cam.cop media / Andreas Klug Lizenz

Die KURIER-Praktikantinnen auf dem Müllberg (v.l.): Rebecca (14), Marie (17) und Ashima (14, v.l.)

Die KURIER-Praktikantinnen auf dem Müllberg (v.l.): Rebecca (14), Marie (17) und Ashima (14, v.l.)

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Die KURIER-Praktikantinnen nehmen den abgelagerten Müll unter die Lupe. Die roten Rohre sind Kabelisolierungen.

Die KURIER-Praktikantinnen nehmen den abgelagerten Müll unter die Lupe. Die roten Rohre sind Kabelisolierungen.

© cam.cop media / Andreas Klug Lizenz

Auf den Deponien finden sich mehrere Polstermöbel-Garnituren, ein Berg voller mit Kunststoff gefüllter Säcke, unzählige Autoreifen und Malereibedarf.

Auf den Deponien finden sich mehrere Polstermöbel-Garnituren, ein Berg voller mit Kunststoff gefüllter Säcke, unzählige Autoreifen und Malereibedarf.

© cam.cop media / Andreas Klug Lizenz

Auf den Deponien finden sich unzählige Autoreifen und Malerbedarf.

Auf den Deponien finden sich unzählige Autoreifen und Malerbedarf.

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Die Einfahrt zum Recyclinghof Nordring – einer von 15 in Berlin.

Die Einfahrt zum Recyclinghof Nordring – einer von 15 in Berlin.

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