Mutmaßlicher Killer mit falscher Identität eingereist
Der Tatverdächtige mit dem Namen „Vadim Andreevich Sokolov“ existiert offiziell gar nicht. Laut Recherchen des Spiegel zusammen mit den Investigativnetzwerken Bellingcat und The Insider reiste der Mann wohl mit einer falschen Identität ein. Laut seinem Visum will er 49 Jahre alt und im sibirischen Irkutsk geboren worden sein. Sein Wohnsitz soll in St. Petersburg sein.
Im nationalen russischen Passregister ist allerdings niemand unter diesen Personalien gemeldet. Laut Spiegel findet sich in ganz Russland weder in der Passdatenbank noch im Führerscheinregister ein Eintrag, der mit den gemachten Angaben übereinstimmt.
Reisepassnummer führt ins Moskauer Innenministerium
Die Reisepassnummer des Mannes führt hingegen zu einer Einheit im Moskauer Innenministerium, die in der Vergangenheit bereits Dokumente für identifizierte Agenten des Militärgeheimdienstes GRU ausgestellt hat. Ein Pass dieser Art wird seit zehn Jahren nur noch in Ausnahmefällen ausgegeben. Dem Tatverdächtigen wurde er erst im Juli dieses Jahres ausgestellt. Vadim Sokolov reiste über den Flughafen Charles de Gaulle in Paris nach Europa ein. In dem in seinem Visumsantrag angegebenen Pariser Hotel will ihn der Rezeptionist nie gesehen haben.
Der 40-jährige Georgier Zelimkhan K. war am Mittag des 23. August im Kleinen Tiergarten erschossen worden. Er war gerade auf dem Weg in eine Moschee als sich der Täter ihm von hinten auf einem Fahrrad näherte und ihm zwei Mal in den Kopf schoss.
Zweiter Fall „Skripal“?
Stellt sich heraus, dass Putins Geheimdienst hinter dem Mord steckt, wäre dies ein zweiter Fall „Skripal“. 2018 hatte der Mordversuch an dem russischen Ex-Agenten Sergej Skripal in Großbritannien eine schwere Krise mit Moskau ausgelöst. Skripal war dem Nervengift Nowitschok ausgesetzt, überlebte aber. Verübt wurde der Anschlag vom GRU.
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