Mord-Urteil schreckt Raser nicht ab

Autorennen in Berlin haben sich verdoppelt

Die Strafverschärfung sollte abschreckend wirken. Passiert ist das Gegenteil.

Lutz Schnedelbach
Lesezeit 2 Min
Die gesperrte Tauentzienstraße am Morgen nach dem illegalen Rennen im Februar 2016.

Die gesperrte Tauentzienstraße am Morgen nach dem illegalen Rennen im Februar 2016.

© dpa

Seit Oktober vergangenen Jahres registriert die Polizei durchschnittlich zwölf illegale Straßenrennen im Monat - das sind doppelt so viele wie in den Monaten davor. Das liegt vor allem daran, dass die Polizei seit der Gesetzesverschärfung 2017 auch häufiger kontrolliert.

Das jüngste Rennen beendete die Polizei in der Nacht zum vergangenen Sonnabend in Tempelhof. Am Platz der Luftbrücke  war einer Beamtin ein BMW sowie ein Jaguar aufgefallen. Die beiden Fahrer ließen an einer rot geschalteten Ampel die Motoren aufheulen.

An Bord des Porsches saß auch eine Zehnjährige

Die Fahrer verständigten sich mit Handzeichen. Als die Ampel auf grün schaltete, rasten die beiden los. Die Polizei verfolgte die Autos. Während der BMW entkam, wurde der Jaguar in der Kaiser-Wilhelm-Straße gestoppt. Der 43 Jahre alte Fahrer  ist seitdem seinen Führerschein los. Auch der Jaguar wurde eingezogen.

Einen Monat zuvor hatten Polizisten in Friedenau ein illegales Rennen beobachtet. Gegen 23.30 Uhr sahen die Beamten  einen Porsche und einen Audi, die an der Bundesallee Ecke Lefèvrestraße an einer roten Ampel anhielten und sofort beim Umspringen auf Grün mit stark aufheulenden Motoren und quietschenden Reifen anfuhren und beschleunigten.

Der Funkwagen folgte den Fahrzeugen und stoppte den 40-jährigen Porschefahrer wenig später in der Bundesallee. Nach Abgabe seines Führerscheins mussten er und vier weitere Insassen, ein 40-jähriger Mann, zwei Frauen, 19 und 44 Jahre alt, und ein zehnjähriges Mädchen, den Weg zu Fuß fortsetzten, da der Porsche ebenfalls beschlagnahmt wurde.  Der Audifahrer entkam.

Keine etablierte Rennszene in Berlin

Mit der Verschärfung des Gesetzes gegen illegale Wettfahrten hatten sich die Strafverfolgungsbehörden  einen deutlichen Rückgang dieser Taten erhofft. Doch dem ist nicht so, sagen Polizisten in Berlin.

In Berlin gibt es keine etablierte Renn-Szene, so wie im Ruhrgebiet, sagen Polizisten. Dennoch biete die Stadt ideale Bedingungen für spontane Wettfahrten. Die Raser sind zumeist Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren, die sich grenzenlos überschätzen. Die meisten haben türkische, arabische und russische Wurzeln, sagen Experten. Besonders beliebt bei Rasern sind Autos ab 400 PS.

Zu den beliebtesten Rennstrecken in der Hauptstadt gehören der Kurfürstendamm, der Berliner Ring sowie die Frankfurter Allee.  

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