Mord an Georgine Krüger

KURIER im Keller des Grauens

Während Polizisten Beweismittel aus dem Haus tragen, schweigt der mutmaßliche Killer.

Alexander Schmalz Eric Richard
Lesezeit 3 Min
In diesen Keller soll Ali K. (43) mindestens zwei Mädchen gelockt haben, darunter Georgine Krüger.

In diesen Keller soll Ali K. (43) mindestens zwei Mädchen gelockt haben, darunter Georgine Krüger.

© Eric Richard

Über eine Steintreppe soll der arbeitslose Familienvater Ali K. (43) die 14-jährige Georgine Krüger in den Kellerverschlag gelockt und getötet haben. Mittlerweile ist klar: Er soll mehrere Keller in dem Altbau angemietet haben. 

Familienvater verhaftet

Über zwölf Jahre lang versuchten die Ermittler der 6. Mordkommission den rätselhaften Vermisstenfall zu lösen. Das richtige Gespür eines Polizisten und der Einsatz eines verdeckten Ermittlers brachten schließlich den Durchbruch. 

Polizisten rücken mit Staubsauger und Kisten für die Kriminaltechnik an. Die Spezialisten sichern Spuren in den Kellern, darunter ein Bett. Sie hoffen auf DNA von Georgine.  

Polizisten rücken mit Staubsauger und Kisten für die Kriminaltechnik an. Die Spezialisten sichern Spuren in den Kellern, darunter ein Bett. Sie hoffen auf DNA von Georgine.  

© Eric Richard

Am Dienstag verhaftete das SEK den dreifachen Familienvater Ali K. in seiner Wohnung an der Stendaler Straße in Moabit. Der mutmaßliche Killer war ein Nachbar von Georgine. Der Verhaftete und das Opfer lebten nicht mal 100 Meter auseinander.

Geständnis wurde aufgezeichnet

Brisant: Die Mordermittler hatten in dem Kiez über 300 Anwohner als Zeugen befragt, darunter den Verdächtigen. Der hatte damals behauptet, das Mädchen noch nie gesehen zu haben. 2012 wurde der 43-jährige Deutsch-Türke wegen einer Sexualstraftat verurteilt. Er hatte eine 15-Jährige in seinen Keller gelockt und sie dort begrapscht. Ein Ermittler wurde deshalb auf ihn aufmerksam.

Bisher schweigt der Verdächtige in den Vernehmungen. Da Georgines Leiche bisher noch nicht gefunden wurde, könnte es schwierig werden, ihm den Mord nachzuweisen. Einem verdeckten Ermittler, der sich das Vertrauen des Verdächtigen erschlich, hatte er von der Tat erzählt. Der Polizist soll das Gespräch sogar aufgezeichnet haben. Aber die Aufnahmen dürfen vor Gericht nicht verwendet werden. Der Ermittler ist jedoch ein wichtiger Zeuge. Seine Aussagen dürften viel Gewicht haben.

Falsche Hinweise an die Öffentlichkeit sorgten für Gesprächsstoff

Der Zivilpolizist mit türkischen Wurzeln hatte monatelang versucht, sich mit Ali K. anzufreunden. Stammgäste eines Cafés an der Stendaler Straße bestätigen das. Dort ging der arbeitslose Verdächtige täglich ein und aus, um Karten zu spielen und am Automaten zu zocken. Genau dort hatte der Ermittler vor einem halben Jahr den Kontakt zu Ali K. aufgenommen. Der Polizist habe schnell einen Draht zu dem eher introvertierten Mann gehabt. Sie verbrachten sehr viel Zeit miteinander, heißt es. 

Georgine Krüger, verschwand am 25. September 2006 im Alter von 14 Jahren. Die Schülerin soll kurz vor ihrem Zuhause in einen Keller gelockt worden sein.

Georgine Krüger, verschwand am 25. September 2006 im Alter von 14 Jahren. Die Schülerin soll kurz vor ihrem Zuhause in einen Keller gelockt worden sein.

© privat Familie

Um den verdeckten Ermittler zu unterstützen, soll die Polizei mit falschen Hinweisen an die Öffentlichkeit gegangen sein. Nach KURIER-Informationen wurden im Frühjahr dieses Jahres zwei Anrufe fingiert. Ein angeblich anonymer Anrufer soll der Polizei gesagt haben, dass Georgines Leiche in einem Wald bei Brieselang vergraben sei. Dies sei Taktik der Polizei gewesen, um für Gesprächsstoff zwischen dem Ermittler und dem Verdächtigen zu sorgen.

Dass er ein Mörder sein soll, können sich viele Anwohner nicht vorstellen. Einer der Nachbarn, der anonym bleiben möchte: „Ich kenne ihn seit über 25 Jahren. Er wirkte immer hilfsbereit, höflich und zuvorkommend.“ Ein ruhiger Mann – der offenbar viel zu verbergen hatte. 

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