Seit drei Wochen versammeln sich Hunderte an der Kreuzung Lands- berger Allee, Ecke Blumberger Damm. Neben besorgten Bürgern auch zahlreiche Neonazis. Der KURIER zeigt, wer hinter den Aufmärschen steht.
Marzahn-Hellersdorf hat das Stigma des Nazi-Bezirks, angeheftet Anfang der 90er, längst abgelegt. Menschen verschiedenster Herkunft leben im Bezirk.
Die Zeiten, in denen insbesondere die Gegend um den U-Bahnhof Cottbusser Platz mit dem Neonazi-Treff „Viwa-Imbiss“ und der „Glatzendisco“ im Jugendclub U5 für Andersdenkende No-Go-Areas waren, sind vorbei.
Auch Berlins Verfassungsschutzchef Bernd Palenda sagt: „Es wäre ein letaler Fehler, alle mit Rechtsextremisten gleichzusetzen. Diese Stigmatisierung ist genau das, was die Neonazis wollen. Das ist Teil ihrer Strategie.“
Dennoch gibt es sie noch: Den geringen Anteil jener Marzahn-Hellersdorfer, die sich von rechts instrumentalisieren und auf die Straße locken lassen. Von diesen „Rattenfängern“:
Uwe Dreisch: Unter dem Motto „Wir wollen kein Containerdorf in Berlin Marzahn“ liefen laut Polizei 500 Menschen zum Protest auf. In der Vergangenheit wurden die Märsche von Uwe Dreisch (51) angemeldet, dem Vorsitzenden der Partei „Die Rechte“.
Diese ist ein Sammelbecken für Neonazis aus verbotenen Organisationen, Dreischs Landesverband wurde 2013 gegründet. Bis 2009 war der Koloss Führungsaktivist der vom Innensenator verbotenen Kameradschaft „Frontbann 24“. 2012 wurde Dreisch (auch beim Verfassungsschutz kein Unbekannter) wegen Produktion und Verbreitung von Nazimusik zu 19 Monaten auf Bewährung verurteilt.
René U.: Der Strausberger gilt als politischer Ziehvater des NPD-Landesvorsitzenden Sebastian Schmidtke. Frühere Weggefährten beschreiben ihn als „Strippenzieher“ im Hintergrund.
Auch Kontakte zum militant-rassistischen Musiknetzwerk „Blood & Honour“ werden ihm nachgesagt.
Patrick K.: Dreischs Stellvertreter bei der Partei „Die Rechte“. Er macht aus seiner rechten Gesinnung vor allem in sozialen Netzwerken keinen Hehl. Furchterregend: Allein auf seinem Kopf hat er mindestens zwei NS-Motive tätowiert.
K. ist angeblich glühender Anhänger der Terrororganisation „Combat 18“. Wie U. saß er längere Zeit im Gefängnis, baute ein umfangreiches Neonazi-Netzwerk auf. Vor allem U. und K. sollen hinter der gegen Flüchtlinge (und Journalisten) hetzenden Facebookseite der „Bürgerbewegung Marzahn“ stehen.
Die Anti-Flüchtlings-Demo in der Landsberger Allee blieb nicht ohne Gegenprotest. Das Netzwerk „Hellersdorf hilft“, das sich für Flüchtlinge einsetzt, hatte zu Gegenkundgebung aufgerufen. Ihr schlossen sich nach Polizeiangaben etwa 400 Menschen an.
Am kommenden Sonnabend könnte zu noch mehr Aufruhr kommen. Denn da ist in Marzahn eine noch größer angelegte Demo gegen „fatale Asylpolitik“ angemeldet.
Gleichzeitig „gedenken“ linke Gruppen des 1992 von Neonazis ermordeten Silvio Meier in Friedrichshain. Vor ihrem Zug wollen sie in Marzahn den Aufmarsch stoppen. 2013 waren bei der Meier-Demo mehr als 5.000 Teilnehmer anwesend.
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