Es sollte das Vorzeigemodell für faires Wohnen in Berlin werden, Vorreiter im Kampf gegen gierige Immobilienhaie: genossenschaftliches Bauen mit Unabhängigkeit vom Mietenmarkt. Doch seit dem Baustopp im Herbst 2014 herrscht am Gleisdreieckpark/Yorckstraße Krisenstimmung. Geld für den Weiterbau fehlt noch immer. Im August beschlossen die Genossen deshalb bereits eine Mietpreiserhöhung von einem Euro pro Quadratmeter (auf 1035 Euro/100 m2) Auf der heutigen Sitzung soll die Miete weiter raufgestuft und eine endgültige Rettung des Projektes beschlossen werden. Sonst, so Vorstand Frank Nitzsche, werde er den Mitgliedern vorgeschlagen, „den Laden dichtzumachen“. Heißt: das Aus für das Projekt.
Rückblick: 2007 ergatterte die Genossenschaft das drei Hektar große Bauland am Gleisdreieckpark. Die Idee: Bezahlbares Wohnen statt Wuchermieten. Alles gemeinschaftlich, generationsverbindend und ökologisch. 15 Häuser mit 464 Wohnungen. Mit Eigenkapital wurde angefangen zu bauen – in der Hoffnung, die Banken würden später mitziehen und Geld bereitstellen. Fehlanzeige! Seit Herbst schweigen auf der Baustelle die Maschinen. Die Kostenuhr steht jetzt bei 128 Million Euro, veranschlagt waren 80 Mio., 35 Mio. aus Eigenkapital. Aber selbst davon fehlten bis Juni diesen Jahres 2,8 Mio., weil einige Mitglieder ihren Anteil (92000 Euro/100 m2) nicht geleistet hatten. Monatliche Kosten der Geisterbaustelle: 45 000 Euro. Am Ende musste man deshalb sogar den Verkauf von Grundstücksteilen zustimmen. Und jetzt? Sind Gutmenschen schlechte Rechner?
Immerhin: Bei einigen Mitgliedern wächst die Erkenntnis, dass es ein Fehler war, ohne Kreditzusage mit dem Bauen zu beginnen. Die überarbeitete Unternehmensplanung liegt nun einer Reihe von Banken vor – in der Hoffnung, endlich Geldmittel zu bekommen. Aus Unternehmenskreisen erfuhr der KURIER, dass man sich kämpferisch gebe, in letzter Sekunde noch einen Finanzierungspartner zu finden. Geschieht das bis Ende des Monats nicht, muss das Objekt verkauft werden – mit erheblichem finanziellen Verlust! Damit wäre Berlins Vorzeigeprojekt für faires Wohnen endgültig begraben. Und Privatinvestoren hätten am Ende gut lachen.
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