Die zehnte Flucht in sechs Wochen lief filmreif ab. Hamed Mouki, der vier Jahre und acht Monate wegen Einbruchsdiebstahl und räuberischer Erpressung absitzen muss, hatte sich gut vorbereitet. Er wusste offenbar genau, wann er wo zu sein hat.
Bisher gibt es folgende Erkenntnisse: Am Mittwoch um 15.20 Uhr soll er bei der „Bestandsaufnahme“ noch anwesend gewesen sein. Am Donnerstag Morgen um 6.05 Uhr stellten die Wärter beim Aufschluss der Zellen fest, dass Mouki alle genarrt hatte. Mit Jeans, Winterjacke, Wollmütze und Toilettenpapier baute er eine Attrappe, damit seine Abwesenheit nicht auffiel.
Eine filmreife Flucht
Justizmitarbeiter vermuten, dass er nach der Freistunde um 17.30 Uhr nicht in seine Zelle zurückkehrte. Möglicherweise war er in seiner Funktion als Hausarbeiter – zuständig für Wäsche, Müll und Essen – an Informationen gelangt. So könnte Mouki mit Hilfe eines Lasters geflüchtet sein, der am Mittwoch eine Ladung Lebensmittel für die Häftlinge lieferte. Offenbar kannte Mouki die genauen Zeiten und Wege des Lkw-Fahrers.
Polizei fahndet nach Hamed Mouki, der zu knapp 5 Jahren verurteilt wurde.
© Polizei Berlin
Das Fahrzeug hatte mit seinem Anhänger gegen 20 Uhr das Gelände verlassen. Ob der Lkw an der Pforte genau kontrolliert wurde, „wird derzeit noch ermittelt“, sagt die zuständige Abteilungsleiterin Susanne Gerlach. Sicher ist dagegen, dass sich der Lastwagenfahrer einer Firma aus Sachsen-Anhalt in der Nähe der JVA Tegel einen Parkplatz suchte und dort übernachtete.
Diesen längeren Stopp im Schutz der Dunkelheit könnte Mouki genutzt haben, um wegzulaufen. Er soll sich nicht im Innern versteckt haben. Die Ladeklappe war nämlich nur von außen zu öffnen. Eine Flucht von dort wäre nicht möglich gewesen. Die Polizei schließt nicht aus, dass der 24-Jährige auf dem Dach oder unter dem Lkw hing, als er die Pforte passierte.
Die Probleme nehmen nicht ab
Die Fahndung nach dem Ausbrecher lief auch gestern weiter auf Hochtouren. Wir gehen weiter den Spuren nach, die wir haben“, sagt Sebastian Brux, Sprecher des Justizsenators.
Die Flucht wurde durch das überforderte Personal begünstigt, heißt es aus Justizkreisen. Statt der notwendigen 14 Mitarbeiter waren zur Zeit des Ausbruchs nur neun ausgebildete Vollzugsbeamte und drei Anwärter auf der Station.
Mit einem Lkw, der Nahrung lieferte, schaffte es Mouki aus der JVA Tegel auszubrechen.
© Eric Richard
Und die Probleme nehmen nicht ab. Bis Ende 2019 scheiden altersbedingt 614 Bedienstete aus, wie aus der Antwort der Justizverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der oppositionellen CDU hervorgeht.
Mitte Januar 2018 waren von rund 2840 Stellen in den Berliner Gefängnissen einschließlich der Jugendarrestanstalt 309,5 nicht besetzt. Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) hatte angekündigt, dass in diesem Jahr rund 120 neu ausgebildete Bedienstete eingestellt werden sollen, 2019 sollen dann laut Antwort 155 weitere hinzukommen.
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