KURIER am Sonntag: Frau Wagner, zehn Todsünden beim Sex, ist das nicht ein bisschen untertrieben?Beatrice Wagner: Es gibt sicher noch viel mehr Sexsünden. Aber würden Sie gern ein Buch lesen, das "Die 34 Todsünden beim Sex" heißt? Das ist ja schon von Anfang an frustrierend. Außerdem wollten wir ein bisschen mit der Zahlensymbolik spielen und an die sieben Todsünden aus der Bibel anspielen. Oswalt und ich haben aus den Erfahrungen mit unserer Arbeit die häufigsten Problemfelder herausgearbeitet.Was unterscheidet Ihr Buch von anderen Sex-Ratgebern?Zuerst ist er formal anders. Wir haben den Kapiteln reale Geschichten vorangestellt, erotische Leckerbissen. Liest man die Geschichten - hoffentlich mir Spannung - hat man gleich eine Situation vor Augen, in der man sich wiedererkennen kann. Damit ist das Feld für die wissenschaftlichen Hintergründe bereitet. Die Verschränkung ist neu.Woher haben Sie all die realen Geschichten?Oswalt Kolle hat bis zum Schluss Zehntausende Zuschriften bekommen. Aus denen hat er die interessantesten ausgewählt.Beschreiben Sie die Arbeit mit Oswalt Kolle!Am Tag vor seinem Tod habe ich noch mit ihm telefoniert. Er war in Amsterdam in der Klinik, seine Tochter war bei ihm. Obwohl er Morphium gegen die Schmerzen bekam, war er wach. Ich erzählte ihm vom Cover für unser Buch und er war begeistert. Dieses Buch war richtige Teamarbeit. Wir telefonierten oft, ich schickte ihm meine Texte per E-Mail. Er war fit am Computer, nur mit den Augen hatte er Probleme. Aber wenn man eine größere Schrift eingestellte, ging es ganz wunderbar. Er hat mir im Gegenzug Bänder mit seinen persönlichen Kommentaren geschickt. Ich habe noch eins, auf dem er mich Bella Bea nennt.Konnten Sie von Sex-Papst Kolle noch etwas lernen?Ich mochte seinen Humor. Wenn ich in ihm meinen Lehrmeister sehe, dann nehme ich mit, die Dinge nicht so verbissen zu sehen. Er hat selbst die traurigsten Geschichten mit dem gewissen Etwas erzählt. Und dieses Lächeln, dieses über den Dingen stehen, das machte ihn so souverän.Oswalt Kolle spricht im Buch sehr persönlich über seine Beziehungen. Was geht gar nicht in Ihrem Bett?Im Unterschied zu Oswalt würde es mir schwerfallen, mich auf mehr als einen Sexualpartner mit Haut und Haar einzulassen. Ich bevorzuge die temporäre Monogamie. Was in meinem Bett gar nicht geht? Mimosen sind mein persönliches No-Go. Man kann wirklich über vieles reden, aber wenn er beleidigt ist, dann ist jedes Gespräch nutzlos. Wenn man sich ein Herz fasst und sagt "Damit habe ich ein Problem", dann zeigt man so viel von sich. Wenn der Andere das dann nicht sieht, ist das Ende von allem.------------------------------
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