Wachstum mit Folgen
Die Einwohnerschaft Berlins wächst, um die 40.000 Menschen ziehen jährlich in die Stadt. Wohnungen sind knapp. Das treibt die Mieten nach oben. Der Senat geht von einem Neubaubedarf von 194.000 Wohnungen bis 2030 aus. Und versucht, den Bau neuer Wohnungen zu beschleunigen, kommt aber bislang nicht hinterher. Eine neue Studie zeigt die Folgen.
Viele leben hier von Hartz IV oder Grundsicherung. Der Sozialarbeiter Steffen Mehnert von der Caritas hört von den Auswirkungen: „Mehr Leute müssen für ihre Miete aus eigener Tasche zuzahlen.“ Denn die Wohnungen sind laut Ausführungsvorschrift Wohnen „unangemessen“ teuer. Nur: „Wo soll jemand noch hin, der hier ausziehen muss?“
Der Kiez spiegelt die Entwicklung in der ganzen Stadt wider: Wer eine neue Wohnung beziehen will, muss sich inzwischen auf zehn Euro kalt pro Quadratmeter einstellen. Das zeigt eine Studie der Bank Berlin Hyp und der Maklerfirma CBRE. Die mittlere Angebotsmiete werde die Zehn-Euro-Schwelle 2018 überschreiten, heißt es in ihrem neuen Wohnmarktreport.
"Als würde die Autoindustrie nur noch Porsches anbieten"
Die Mietbelastung liegt gemessen an der Kaufkraft nur noch hinter München und Frankfurt. In den ersten neun Monaten 2017 lag die mittlere Angebotsmiete bei 9,79 Euro, 8,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig beschleunigte sich der Anstieg: 2016 lag er bei 5,6 Prozent.
Marion Pischke ärgert sich über drei Mieterhöhungen in einem Jahr.
© Markus Wächter / Waechter
Bei den Bezirken hatte Mitte 2017 einen Anstieg bei den Neuvermietungsangeboten von 12,9 Prozent zu verzeichnen, gefolgt von Treptow-Köpenick (plus 10,6) und Tempelhof-Schöneberg (plus 10,2). In Neukölln lag das Plus mit 3,8 Prozent am niedrigsten hinter Steglitz-Zehlendorf (plus 5,9) und Pankow (plus 5,1). Die niedrigsten Kaltmieten verzeichnet Ahrensfelde mit durchschnittlich 6,02 Euro, an der Chausseestraße in Mitte werden mit 15 Euro die höchsten verlangt.
Der Projektentwickler Christoph Gröner sagt, dass nur 15 Prozent der Berliner sich Quadratmetermieten von zehn Euro und mehr leisten könnten. Es würden zu viele teure Wohnungen gebaut. „Das ist so, als wenn die Autoindustrie nur noch Porsches anbieten würde.“
Bund muss Mieterhöhungen begrenzen
Bau-Staatssekretär Sebastian Scheel (Linke) erklärt, dass Berlin inzwischen alle bundesrechtlichen Möglichkeiten zur Dämpfung des Mietenanstiegs ausgeschöpft habe: „Wir sind an der Grenze des Machbaren.“ Er kritisiert, dass die Bauherren erteilte Baugenehmigungen nicht ausschöpfen.
Nach dem Bericht werden noch immer nicht genug Wohnungen gebaut. Reiner Wild vom Mieterverein sagt, das Angebot preisgünstiger Wohnungen schrumpfe sogar, selbst 5000 neue Sozialwohnungen pro Jahr könnten das nicht wettmachen. Wild fordert, der Bund müsse Mieterhöhungen auf 2 Prozent pro Jahr begrenzen.
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