Mietspiegel 2017

So teuer ist mein Kiez

Neue Erhebung zeigt: Alleinstehende und Familien werden besonders zur Kasse gebeten.

Ulrich Paul
Lesezeit 3 Min
Die Hauptstadt ist ein sehr teures Pflaster. 

Die Hauptstadt ist ein sehr teures Pflaster. 

© imago/Schöning

Besonders bitter: Verlierer des jüngsten Mietenanstiegs sind Familien und Alleinstehende. Denn ausgerechnet für große und kleine Wohnungen sind die Mieten besonders stark gestiegen.


So rechnen Sie ihre Miete aus

Erst die Wohnlage ermitteln, dann in der Tabelle rechts das passende Feld für die Wohnung suchen. Die Wohnlagenkarte gibt aber nur eine grobe Orientierung. Genauere Informationen  im Internet über den Mietspiegel-Abfrageservice: www.berlin.de/mietspiegel


Wohnungen mit weniger als 40 Quadratmetern verteuerten sich im Schnitt um 11,3 Prozent auf 7,20 Euro je Quadratmeter (kalt). Die Mieten für Wohnungen mit 90 Quadratmetern und mehr zogen um 11,2 Prozent auf 6,58 Euro je Quadratmeter an. „Dass die Mieten so stark angestiegen sind, ist Ausdruck des angespannten Wohnungsmarktes“, sagt Lompscher. Im Schnitt stiegen die Mieten seit 2015 von 5,84 Euro auf 6,39 Euro je Quadratmeter (kalt) – das entspricht einer Steigerung um fast zehn Prozent.

Der Mietspiegel gibt Auskunft über die ortsübliche Miete von Wohnungen je nach Baualter, Größe, Lage und Ausstattung. Vermietern dient der Mietspiegel dazu, Mieterhöhungen zu begründen. Mieter können anhand der Preisübersicht kontrollieren, ob die Forderungen berechtigt sind. In den Mietspiegel fließen die Mieten ein, die sich in den vergangenen vier Jahren verändert haben. Stichtag war der 1. September 2016. Der Berliner Mieterverein erklärte, hinter dem aktuellen Preisanstieg stünden „vor allem modernisierungsbedingte Mietsteigerungen und die Miethöhen neuer Vertragsabschlüsse der letzten Jahre“.

Besonders ärgerlich sei, dass in den Mietspiegel auch Mieten einflössen, mit denen die Obergrenze der Mietpreisbremse umgangen werde. Noch gravierender als der Anstieg des Mietspiegel-Mittelwerts sei der Anstieg des Oberwerts um 17,4 Prozent. Der Oberwert gilt für besonders gut ausgestattete Wohnungen. Er stecke „den Rahmen für die Mieterhöhungen von morgen“ ab, so der Mieterverein. Der Verband Haus & Grund sowie der Landesverband Freier Wohnungsunternehmen BFW mochten den neuen Mietspiegel trotzdem nicht unterzeichnen. Nur der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen stimmte zu.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) mit dem neuen Mietspiegel.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) mit dem neuen Mietspiegel.

© Paulus Ponziak

Haus & Grund begründete seine Entscheidung damit, dass die Erhebung der Mietspiegel-Daten zu einem Bild führe, „das nicht der Wirklichkeit entspricht“. Der Mieterverein warf den Verbänden vor, sie hätten die Oberwerte im Mietspiegel noch weiter anheben wollen. Dies hätte zu weiteren Spielräumen für Mieterhöhungen geführt. Der Mietspiegel gilt auch ohne Unterschrift der Verbände. Viele Vermieter warten schon auf den Mietspiegel, um Erhöhungsspielräume auszuloten. Darunter die Deutsche Wohnen. „Wir werden wie alle anderen auch den Mietspiegel auswerten und anwenden“, kündigt Unternehmenssprecherin Manuela Damianakis an.

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