Prenzlauer Berg - Der Szenekiez rund um den Wasserturm, jeder Quadratzentimeter ist Gold wert. Nun will ein Investor alte Siedlungshäuser teilweise abreißen, einen Block neu bauen und Dachgeschosse aufbauen. Es herrscht blanke Wut und Entsetzen.Zwei ältere Damen sitzen unter Bäumen auf einer Bank, ein Paar packt die Taschen für den Ausflug in den Garten. Gemütlich geht es zu rund um die 50er-Jahre-Häuser zwischen Belforter und Straßburger Straße.Doch mit der Idylle ist es vorbei, seit die Pläne von Immobilien-Investor Rainer Bahr ("KolleBelle") bekannt wurden: Zwei Aufgänge der alten Häuser sollen weg, dafür wird an der Straßburger Straße ein 7-Geschosser gebaut. Außerdem sollen die Dächer um zwei Etagen aufgestockt werden. Unter 3500 Euro pro Quadratmeter wird da kaum eine Wohnung zu kriegen sein.Für die Mieter sind das Horror-Nachrichten: "Wir wohnen seit 60 Jahren hier, wir lassen uns nicht vertreiben", empört sich Kurt Paschelke (76), der mit seiner Frau Gabriele in einer 2,5-Raum-Wohnung lebt. Beide haben früher in der Charité gearbeitet, Nachbarn an der Humboldt Universität. Vor einigen Jahren hatten die Mieter sich einer Genossenschaft angeschlossen, Anteile bezahlt - und alles verloren, als diese Pleite ging. Rund 300 bis 400 Euro kalt bezahlen die Alt-Mieter. Jetzt haben sie Angst, dass es viel mehr wird.Dafür reagiert die Politik. Baustadtrat Michael Nelken (Linke) macht dem Investor wenig Hoffnung auf einen extrem zügigen Baubescheid. Nach dem neuen Bebauungsplan rechne er mit umfassenden Änderungen.In der BVV Pankow wollen Grüne und SPD die Mieter schützen: "Wir möchten eine Umstrukturierungssatzung erlassen, so die Mieten an die Einkommen anpassen", sagt Grünen-Vorsitzende Stefanie Remlinger.Bahr selber konnte keine Stellung nehmen. Er weilt noch länger im Urlaub.------------------------------BU: Der rechte Teil des Hauses soll nach Plänen des Investors abgerissen, dafür ein 7-Geschosser an der Straßburger Straße gebaut werden. Die Bäume weichen einer Garage (120 Stellplätze).
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