Wegen hoher Nachfrage

Mieten im Umland steigen noch stärker als in Berlin

Wohnungen in der Hauptstadt werden unbezahlbar. Viele ziehen raus – eine Falle.

Gerhard Lehrke
Lesezeit 4 Min
Wohnungsbau allerorten. Der BBU befürchtet, dass es damit bald ein Ende haben wird.

Wohnungsbau allerorten. Der BBU befürchtet, dass es damit bald ein Ende haben wird.

© imago images / Winfried Rotherme

Vorstand Maren Kern sagte bei der Vorstellung des Marktmonitors, dass der Deckel, der rückwirkend vom 18. Juni 2019 an für fünf Jahre gelten soll, rund 1,1 Milliarden Euro weniger Einnahmen für die Mitgliedsunternehmen bedeute. Erfahrungsgemäß ziehe ein Euro eigener Einnahmen vier Euro Fremdkapital nach sich, sodass aus 1,1 Milliarden Euro Mindereinnahmen 5,5 Milliarden Euro weniger mögliche Ausgaben nach sich zögen.

Genossenschaften wollen nur 2000 statt 6000 Wohnungen bauen

Wegen dieser Aussichten hätten die privaten Mitgliedsunternehmen des BBU ihre Pläne, 8200 Wohnungen zu errichten, auf nahezu Null reduziert, wie eine Umfrage ergeben habe. Die Genossenschaften wollten nur 2000 statt 6000 Wohnungen bauen. Die sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, die auch vom BBU vertreten werden, wollten wie geplant bauen, müssten sich aber laut Kern einschränken. Modernisierungen von Wohnungen, die nach dem Auszug von jahrzehntelang in ihnen lebenden Mietern fällig würden und 15- bis 30.000 Euro kosten, könnten nicht mehr im gewohnten Rahmen stattfinden. Es sei denn, die Landeseigenen würden sich stärker verschulden.

Bestandsmieten 2018.

Bestandsmieten 2018.

© Grafik/Galanty; Quelle: BBU, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Die Darlegung der Mietpreisentwicklung im Marktmonitor bestätigte, dass Wohnen in Berlin teurer wird. Danach lagen die Nettokaltmieten 2018 bei Neuvermietungen bei 7,80 Euro pro Quadratmeter und damit 35 Cent oder 4,7 Prozent höher als 2017.
Parallel stiegen die Preise für Neubau und Sanierung um 6,3 Prozent, was den Kostendruck auf die Unternehmen verstärkt. Dennoch lägen die BBU-Mitglieder bei den Neuvermietungen um 3,26 Euro oder knapp 29 Prozent unterhalb des vom Senat ermittelten Marktdurchschnitts.

Mieten im Umland steigen stärker als in Berlin

Am niedrigsten waren die BBU-Neuvertragsmieten 2018 in Marzahn-Hellersdorf (6,72 Euro), am höchsten in Steglitz-Zehlendorf (8,80 Euro). Die Bestandsmieten, die alle unterschriebenen Mietverträge umfassen, seien in den BBU-Unternehmen um 16 Cent oder 2,7 Prozent auf 6,14 Euro gestiegen, auch hier liege man weit unterhalb des Berliner Durchschnitts von 7,40 Euro. 

Deutlich teurer sind erstmals bezogene Wohnungen. Bei den BBU-Unternehmen liegen sie bei 10,17 Euro, laut Senat über alle Anbieter hinweg bei 14 Euro.
Wer dem entrinnen will, hat die Möglichkeit, ins Umland auszuweichen. Die steigende Nachfrage dort wirkt sich auf die Mieten aus. Sie steigen bei Neuvermietungen bei den BBU-Unternehmen im Schnitt um 5,5 Prozent, also stärker als in Berlin. Allerdings ist das Plus von 35 Cent dem in Berlin gleich, und am Ende kostet der Quadratmeter mit 6,74 Euro weniger. Ein Ausreißer nach oben ist Wildau mit 8,80 Euro.

In Brandenburg nur Anstieg bei Neubauten

Jenseits des Speckgürtels wird es deutlich günstiger, insbesondere dort, wo es im sogenannten weiteren Metropolenraum keine schnelle Eisenbahn- oder Straßenverbindung nach Berlin gibt. Im Schnitt werden bei Neuvermietungen nur 5,34 Euro fällig, am niedrigsten sind die Preise in Vetschau (4,78 Euro).
Auch Brandenburgs Mieten hielten nicht mit den Steigerungen der Baupreise mit. Nur bei Neubauten (9,72 Euro, plus 6,5 Prozent) kam der Anstieg der Baukosten – im Gegensatz zu Berlin – dem Mietenwachstum etwa gleich.

Anhörung zum Mietendeckel

Diesen Mittwoch (10 Uhr) gibt es im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses eine Anhörung mit zwölf Teilnehmern zum Thema Mietendeckel. Maren Kern wird dabei sein und voraussichtlich auch hier kritisieren, dass der vorgesehenen Mietendeckel (je nach Alter und Ausstattung zwischen 6,45 und 9,80 Euro und nicht gültig für Wohnungen, die seit Anfang 2014 entstanden sind) sich auf den Mietspiegel von 2013 bezieht und die massive Teuerung bei Bauleistungen seither nicht berücksichtigt. 

Der BBU vertritt in Berlin rund 150 Unternehmen mit 715.000 Mietwohnungen, die 43 Prozent des Bestands ausmachen. In Brandenburg sind es 200 Unternehmen mit 340.000 Wohnungen (44 Prozent).  

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