Messerattacke auf Schauspielerin

„Ich war besessen von ihr“

Vor Gericht gestand der Stalker den brutalen Angriff.

Katrin Bischoff
Lesezeit 4 Min
Anne Kulbatzki

Anne Kulbatzki

© imago/Martin Müller

Jahrelang verfolgte Andreas L. die Schauspielerin Anne Kulbatzki. Immer wieder wies die Frau den aus Norwegen stammenden Mann ab. Am 25. Oktober des vergangenen Jahres lauerte der 29-Jährige der Schauspielerin vor dem Deutschen Theater in Mitte auf. Er zog ein Messer und stach mehrfach zu. Anne Kulbatzki wurde schwer verletzt. Ein Passant, der dazwischen ging, verhinderte Schlimmeres.

„Ich war besessen von ihr“, sagt der 29-jährige Andreas L. am Dienstag zu Beginn des Prozesses vor dem Berliner Landgericht. Dort muss er sich wegen versuchten Mordes verantworten. Er soll laut Staatsanwältin der Schauspielerin „in Tötungsabsicht unter bewusster Ausnutzung ihrer Arg- und Wehrlosigkeit unvermittelt zumindest vier wuchtig ausgeführte Messerstiche in Richtung Bauch, Gesicht und Hals“ zugefügt haben.

Er will sich nicht als Stalker sehen

Mit wirren Worten berichtet der Angeklagte in englisch und deutsch, dass er seit langem eine Beziehung habe zu Anne Kulbatzki. Er sei nach Berlin gekommen, um hier Arbeit zu finden und sich ein Leben aufzubauen. Mit ihr. Den Plan, sie zu töten, habe er zwei Tage vor der Tat gefasst.

Anne Kulbatzki und Andreas L. waren 2007 beide an derselben Kunsthochschule in Oslo. Sie besuchte die Theaterklasse, er war bei den Musikern. Danach gab es offenbar jahrelang keinen Kontakt mehr. 2013 soll der Mann erstmals wieder in das Leben der Schauspielerin getreten sein. Er folgte ihr nach Wien. Er sagt, er habe mit ihr eine Beziehung gehabt. Er spricht aber auch davon, dass sie ihn ignoriert habe. Er schrieb ihr immer und immer wieder Mails, die sie nicht mehr beantwortete. Er stalkte die Frau. „Ich mag dieses Wort nicht“, sagt Andreas L. im Gerichtssaal. Und er glaube nicht, dass das Wort auf ihn zutreffe.

Geplante Tat

Andreas L. erzählt, dass er Anne Kulbatzki über das Internet gesucht habe. Im August 2016 kam er nach eigenen Worten nach Berlin, nahm dort Kontakt mit der Schauspielerin auf. Er sagte: Hallo. Sie erwiderte mit: Auf Wiedersehen. Drei Tage vor der Tat ging er in eine Vorstellung von ihr. „Sie war sehr irritiert, als sie mich im Publikum sah.“ Später versuchte er, sie im Taxi aufzuhalten. Er soll sie gefragt haben, ob sie nicht einfach Freunde sein könnten. Doch die Schauspielerin fuhr einfach davon. „An diesem Abend habe ich das erste Mal darüber nachgedacht, sie zu töten.“

Der Angeklagte kündigte offenbar einen Tag vor der Tat seinen Job als Baumbeschneider. Er sagt, er habe ja gewusst, dass er ins Gefängnis müsse. Er habe eigentlich nur Hilfe von Anne Kulbatzki haben wollen, ihr dies aber nie so richtig gesagt. Schon Stunden vor der Tat sei er in das Theater gegangen, um seinen Plan umzusetzen. Er habe die Schauspielerin aber nicht angetroffen. Abends nahm er nach eigenen Worten ein Messer aus der Küche des Hostels, in dem er wohnte, und ging in die Schumannstraße. Er habe geplant, Anne in der Bar zu treffen und ohne hallo zu sagen, ihr Leben zu beenden.

Er stach einfach zu

Andreas L. traf vor dem Theater auf die Schauspielerin. Nach seinen Worten sagte sie: „Ich will nicht mit Dir reden. Ich will Dich nicht sehen.“ „Ich wollte nur, dass sie mich anschaut“, erklärt der Angeklagte. Und dann stach er zu. Nach seinen Erinnerungen zehn Mal.

Der Norweger wurde noch am Tatort festgenommen, einen Tag später kam er in den Maßregelvollzug - eine Klinik für psychisch kranke Straftäter.

Anne Kulbatzki, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftritt, wird am Donnerstag vor Gericht als Zeugin ihre Aussage machen.

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