Angela Merkel und Sigmar Gabriel – zwei Politiker, ein Problem. Beide werden von ihren Parteitagen kein ehrliches Ergebnis bekommen. Sigmar Gabriel wird heute mit einem guten, zumindest akzeptablen Ergebnis wieder zum SPD-Chef gewählt werden. Und Angela Merkel wird nächste Woche vom CDU-Parteitag eine breite Unterstützung für ihre Flüchtlingspolitik erhalten.
Vordergründig scheint damit alles in Ordnung. In Wirklichkeit aber ist die Stimmung in den Parteien der Großen Koalition ganz anders. Gabriel wird als Kanzlerkandidat für 2017 in seiner eigenen Partei massiv angezweifelt. Die Mehrheit traut ihrem sprunghaften Chef nicht zu, die SPD aus dem 25-Prozent-Ghetto herauszuführen. Eine Mehrheit favorisiert Außenminister Steinmeier, obwohl der schon einmal bewiesen hat, dass er es auch nicht schafft.
Angela Merkel wiederum wird wegen ihrer Flüchtlingspolitik in der eigenen Partei massiv angezweifelt. Immer mehr CDU-Mitglieder glauben nicht mehr an ihr „Wir schaffen das“. Merkel kann nur noch mit ihrer Autorität als Kanzlerin den Widerstand unterdrücken. Die CDU will wie die CSU mehrheitlich eine Obergrenze formuliert wissen, auch wenn das in der Abstimmung auf dem Parteitag nicht deutlich werden wird.
Sowohl für Merkel als auch für Gabriel bedeuten die Parteitage keine Bestätigung als Person oder für ihre Politik, sondern nur einen zeitlichen Aufschub. Die eigentliche Bewährung kommt für beide noch.
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