Zürich - "Die Zunge lügt - der Körper nicht", sagt Tatjana Strobel und verweist auch auf Beispiele wie Tiger Woods, Bill Clinton und Uwe Barschel. Seit Jahren liest sie in Gesichtern und entschlüsselt die Körpersprache meist prominenter Artgenossen. Die Zürcher Menschenkenntnis-Expertin verrät dem KURIER, was uns Körper, Gesicht, Hände und Haltung von anderen verraten.Um Lügen zu enttarnen, muss man wissen, wo derjenige seine Erlebnisse abgespeichert hat (linke oder rechte Seite). Dazu Sachverhalte aus der Vergangenheit abfragen. "Aber meist geht der Blick beim Lügen von links unten nach rechts oben", sagt Tatjana Strobel. Die Mundwinkel zittern, derjenige weicht dem Blick aus, die Hände machen Wischbewegungen an Tisch oder Kleidung. Deshalb hielten sich Prominente zumeist am Rednerpult (Kleidung, Handtaschen, Trinkglas) fest, um verräterische Gesten zu vermeiden.Wer einer Lüge auf die Spur kommen will, sollte nie chronologische Abläufe abfragen, Sachverhalte rückwärts erzählen lassen, dazwischen Überraschungsfragen stellen: "Beispielsweise: Wo hast du geparkt? Was hattest du an? Um welche Zeit begann das Essen?" Strobel: "Schon ist der Lügner enttarnt!" Sie ist sicher, dass jeder die Körpersprache erlernen kann.Wie jeder von uns nimmt auch Tatjana Strobel einen Menschen beim ersten Treffen immer ganzheitlich wahr: "In 30 Sekunden ist derjenige ,abgescannt' und auf der ,Festplatte' abgespeichert. Dort sucht man dann: An wen erinnert er/sie mich? Ist ein Sympathieträger gefunden, mag man denjenigen - bei Antipathie eben nicht." Letztendlich würden wir uns immer mit Menschen umgeben, denen wir ähnlich sind. Deshalb sähen sich ältere Ehepaare mit den Jahren immer ähnlicher.Und wir unterscheiden vier Arten Mensch: den Macher (laut, dominant, packt an), den Emotionalen (leise, unkoordiniert, gefühlsbetont), den Rationalen (monoton, logischer Denker) und den Visionär (begeisterungsfähig, stellt immer alles infrage) - doch beim Lügen sind sie alle gleich.------------------------------Was die Augen verratenErwischt: Ministerpräsident Uwe Barschel (CDU) log am 18. September 1987: "Ich wiederhole - ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind." Dabei wanderte sein Blick von links unten nach rechts oben (Foto) - eine dreiste Lüge! Denn Barschel hatte eine Verleumdungs-Kampagne gegen seinen Herausforderer Björn Engholm initiiert.------------------------------Was Gesten verratenErwischt: Star-Golfer Tiger (links) Woods geriet in einen Lügenstrudel, weil er seine zahlreichen Sex-Affären vertuschen wollte. Seine Hände wischen fahrig über die Kleidung (Lügen entfernen), hält sich am Hemd fest, sucht bei sich selbst Halt .Ebenso US-Präsident Bill Clinton (unten), als er wegen der Lewinsky-Affäre vor Gericht der Lüge entlarvt wurde: Er fasst an sein Sakko, sucht dann Schutz bei sich selbst.------------------------------Sie enttarnt die Körper-LügenIhre sensiblen "Antennen" hat Tatjana Strobel schon als 3-Jährige entwickelt, als ihr behinderter Bruder zur Welt kam. Später wurde sie Erzieherin, studierte Pädagogik, perfektionierte ihr Gefühl für Körpersprache. Darüber hält sie Vorträge (40 Euro), gibt Seminare (399 Euro). Unter anderem: Am 7. August in Berlin "Das Geheimnis in Gesichtern zu lesen", Tagesworkshop (10-18 Uhr), anschließend Vortrag "Lie to me", Comfort Hotel Weißensee, Rennbahnstraße 87-88. Anmeldungen: info@ts-headworks.de
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