Woher kennst du den?, fragt der Vater seinen Sohn, der von einem unbekannten Mann im Urlaub freundlich begrüßt wird. „Ach,“ sagt der Sohn, „das ist der Mann um Umweltschutz!“ „Vom Umweltschutz?“ „Na, der fragt Mama immer, ob die Luft rein ist!“ Dieser Witz illustriert den Wechsel der Zeiten. Leitete die Frage nach der „reinen Luft“ früher noch eine „verbotene“ Aktivität ein, ist sie heute der Auftakt zum Shoppen mit Atemmaske.
Denn auch in Berlin haben wir neuesten Messungen zufolge sehr viel höhere Stickoxid-Werte als bisher bekannt. Gut, vielleicht ist das ein kleines Willkommensgeschenk für die vielen Schwaben im Prenzlauer Berg – da können die bei uns die gleiche dicke Luft inhalieren wie daheim in Stuttgart!
Die viel besungene „Berliner Luft“ wandelt sich auf diese Weise in den Duft der großen weiten Welt. Jedenfalls der Welt von Neu-Delhi, Karatschi oder Riad – wo Sauerstoff so selten ist wie Eisbären in der Wüste.
Vieles ändert sich: Für den therapeutischen Ratschlag „Einfach mal tief durchatmen“ gibt es in vielen deutschen Innenstädten demnächst eine Anklage wegen Körperverletzung! Doch auch in geschlossenen Räumen treten Stickoxid-Probleme auf. „Hast du noch einen Lebenstraum?“, fragte neulich die Frau eines Kumpels. „Du meinst einen Lebenstraum außer kompletter Erleuchtung und dadurch bedingter Auflösung aller Ich-hafter Strukturen, was zu einer entspannten Leichtigkeit des Seins ohne Todesangst führt? Davon abgesehen hätte ich ganz gern noch mal Sex mit deiner Schwester!“, erwiderte der. Daraufhin gab es Feinstaub-Alarm – also sehr dicke Luft und keinen Verkehr ...
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