Der Soulsänger R. Kelly wurde von einem Mann namens Kenny B. verklagt, weil er eine Affäre mit seiner Ehefrau hatte, welche Herrn B. angeblich psychisch und finanziell ruinierte. Nun kann man R. Kelly einiges vorwerfen – etwa die Verbreitung idiotischer Glaubenssätze wie „I believe I can fly“ ( ein Glaubenssatz, der sich für streikgeplagte Lufthansa-Passagiere immer wieder als trügerische Hoffnung erweist) – aber die Affäre mit einer erwachsenen Frau ist eine Nebenwirkung von Rockstar-Leben.
Kenny B. möchte mit dieser Klage ein Exempel statuieren, um Menschen davon abzuhalten, mit verheirateten Personen eine Liebesbeziehung einzugehen. Seine Erfolgschancen dürften relativ gering sein – schon Casanova schätzte verbotene Früchte aufgrund ihres Lustpotentials. Die Erkenntnis, dass sich ein Beziehungsende psychisch und finanziell nachteilig auswirken kann, ist übrigens nicht ganz neu: So was nennt sich gemeinhin schlicht „Scheidung“.
Wobei das Konzept natürlich charmant ist – wer mir an den Karren pisst, wird verklagt. Allerdings: Wenn ich jeden verklagen wollte, der mich psychisch und finanziell in den Wahnsinn trieb, müsste ich den Rest meiner Tage in Gerichtssälen verbringen. Die erste Klage ginge gegen Donald Trump! Vielleicht hatte Kenny B. einfach nicht die geistigen Ressourcen für einen rechtzeitigen Beziehungs-Schnitt. Dann sollte er aber nicht R. Kelly verklagen, sondern seine Erziehungsberechtigten. Welche wiederum ihre Eltern sowie soziale Umwelt verklagen müssten. Und die ziehen ihre Vorfahren zur Rechenschaft. Wenn man den Gedanken zu Ende denkt, wird klar: der Urknall war schuld.
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