113 Kilo will er dann reißen, 140 Kilo stoßen. Zusammen wären das 253 Kilo, die der Junge bewegt. Genug für die Norm der Europameisterschaft im August in Schweden. „Das ist neben der Titelverteidigung mein großes Ziel“, sagt der Schüler. Seine bisherigen Bestleistungen liegen bei 106 und 130 Kilo.
Eine Schippe draufpacken muss Jakub also – oder besser ein paar Kilo. Dafür trainiert er hart und täglich seit mehr als fünf Jahren. Damals kam ein Trainer in den Schulsport – eine übliche Sichtungsmaßnahme, wie in diversen anderen Sportarten auch. Jakub war einer von drei Jungen, die eine Einladung zum Probetraining bekamen. „Probetraining für Kraftsport“, stand auf dem Zettel, erinnert sich Jakub, „meine Mama war total dagegen. Das sei kein Sport für mich, meinte sie damals.“ Zu eintönig, zu gefährlich. „Die üblichen Vorurteile“, sagt er.
Und ob das ein Sport für ihren Jungen ist. Bis auf ein paar Zerrungen war Jakub noch nie ernsthaft verletzt. „Jede Sportart kann gefährlich sein“, kontert er heute selbstbewusst auf Fragen nach Rückenproblemen. „Man muss das, was man tut, richtig tun. Und das habe ich früh gelernt und übe es jeden Tag“, sagt er.
„Je mehr Last ich stemmen kann, desto mehr Freude empfinde ich“, erzählt Jakub von der Faszination Gewichtheben. Zum Glück überredete die Mutter seines Freundes Jakobs Mama damals, mit ihm zum Probetraining zu gehen. 2010 gab’s die ersten leichten Gewichte auf der Stange. 2011 feierte Jakub seinen ersten großen Sieg, die Goldmedaille bei der Ostdeutschen Meisterschaft. 2012 und 2013 wurde er Deutscher Vizemeister und letztes Jahr zum ersten Mal nationaler Champion.
Und nun soll die EM-Quali her. Bei der Heim-Meisterschaft am 3. und 4. Juli in der Sporthalle in der Paul-Heyse-Straße soll die Unterstützung der Familie und Freunde zusätzlich die nötige Kraft geben. Auch Jakubs Mama wird zugucken. Sie wird stolz sein. Und sich vielleicht heimlich, still und leise fragen, warum sie damals eigentlich glaubte, Kraftsport wäre nichts für ihren Jungen.
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