Ist es mutig oder blauäugig, wenn die Gewerkschaft der Polizei kurz vor der Wahl ihre parteipolitische Unabhängigkeit aufgibt und zum Boykott der AfD an der Urne aufruft? Die Antwort lautet: beides. Es ist mutig, weil eine Positionierung der Zivilgesellschaft wichtig ist im Kampf gegen das Extreme – und doch nicht immer genug Platz findet. Es ist auch mutig, weil es nach den Analysen der letzten Wahlen als gesichert gilt, dass sich unter Gewerkschaftsmitgliedern ein beträchtliches Potenzial an AfD-Wählern befindet. Das dürfte bei den Polizeibeamten nicht anders sein. Im Gegenteil: Vielen dürften die Populisten in Sachen Sicherheitspolitik aus der Seele sprechen, der Aufruf von Arnold Plickert zugleich sauer aufstoßen – und schon gar nichts bewirken.
Der Vorstoß des GdP-Chefs ist ein zweischneidiges Schwert. Die AfD als „peinlich“ zu bezeichnen, wird der Partei, die seit 2014 beachtliche Wahl-Erfolge feiert, aber auch immer extremer wird, nicht gerecht. Mit derart schlichten Attacken oder plumper Rhetorik wird man jedenfalls kein Sieger der Argumente. Von einer – wichtigen – Gewerkschaft wie der GdP darf mehr erwartet werden.
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