Mehr arbeiten, weniger Geld

Menschen in Ostdeutschland bleiben die Verlierer

Auch fast 30 Jahre nach der Wende hält die Spaltung auf dem Arbeitsmarkt an.

Gerhard Lehrke
Lesezeit 2 Min
Schwere Arbeit, schlecht bezahlt: Eine Pflegedienst-Beschäftigte hilft einer hilfsbedürftigen Frau aus dem Bett.

Schwere Arbeit, schlecht bezahlt: Eine Pflegedienst-Beschäftigte hilft einer hilfsbedürftigen Frau aus dem Bett.

© dpa

Beschäftigte in Ostdeutschland arbeiten noch immer länger als im Westen, und verdienen weniger. 2018 kamen Arbeitnehmer im Westen im Schnitt auf 1295 Arbeitsstunden. Im Osten mit Berlin waren es 1351 Stunden und damit 56 mehr. Wird Berlin zum Westen gezählt, sind es im Osten 61 Stunden mehr.

Zugleich lag das Jahres-Brutto je Arbeitnehmer im Westen mit 36088 Euro um knapp 4900 Euro höher als in den neuen Ländern mit 31 242 Euro. Das ergeben Daten der Statistischen Ämter von Bund und Ländern, die die Linke-Bundestagsfraktion ausgewertet hat.

Linke: Bundesregierung findet sich mit „Sonderarbeitsmarkt Ost“ ab 

Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann kritisierte, dass fast 30 Jahre nach der Wende die Spaltung am Arbeitsmarkt anhalte. Es sei inakzeptabel, dass die Bundesregierung sich mit einem „Sonderarbeitsmarkt Ost“ abgefunden habe.

Im Schnitt am längsten gearbeitet wurde 2018 in Sachsen-Anhalt mit 1373 Stunden. Am wenigsten Arbeitsstunden waren es demnach im Saarland (1269) – bei einem bundesweiten Schnitt von 1305 Stunden.

Bei Löhnen und Gehältern war Hamburg Spitze mit 41 785 Euro brutto. Am wenigsten verdienten Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern (28 520 Euro). Bundesweit waren es im Schnitt 35 229 Euro.

Dennoch: Ost-Rückstand schrumpft

Es tut sich aber etwas: Arbeiteten Beschäftigte im Osten mit Berlin im Schnitt 56 Stunden länger, waren es im Jahr 2000 noch 147 Stunden. Bei den Löhnen schrumpfte der Rückstand des Ostens seit 1991 von 9201 Euro auf 4846 Euro.

Wie immer lauern aber in der Statistik Fallen: Auch im Westen gibt es regionale Unterschiede. Im Westen insgesamt gibt es deutlich mehr Minijobber, die kürzer arbeiten und damit den Schnitt senken.

Im Osten fehlen Firmenzentralen mit Löhnen, die den Schnitt heben, und es gibt zu wenige Gewerkschaftsmitglieder. Deshalb können die Arbeitnehmer die Chefs nicht zwingen, sich Tarifverträgen mit höheren Löhnen und kürzeren Arbeitszeiten anzuschließen.

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