Mega-Start, mieses Finale

Gute Hertha, schlechte Hertha - das KURIER-Hinrundenfazit

Hertha feiert ganz große Siege, kann diese aber im Alltag nicht vergolden.

Wolfgang Heise
Lesezeit 3 Min
Ein Gewinnertyp: Valentino Lazaro.

Ein Gewinnertyp: Valentino Lazaro.

© imago/Chai v.d. Laage

Gute Hertha

Starke Siege: 1:0 auf Schalke, beim Erzfeind nach 14 Jahren wieder gewonnen. 4:2 gegen Gladbach, das beste Spiel der bisherigen Saison. 2:0 gegen Bayern, nach zehn Jahren wieder ein Heimsieg gegen den Rekordmeister.

Sieggarant: Torwart Rune Jarstein hielt in fünf Spielen den Kasten sauber. Der Norweger ist in guter Form, auch wenn ihm in Leverkusen ein Missgeschick zum 0:2 passierte.

Marathonmann: Valentino Lazaro machte alle 17 Spiele über volle 90 Minuten. Der Österreicher spielt jetzt rechter Außenverteidiger, entwickelt sich zum Topspieler. Klubs wie der AC Mailand wollen ihn.

Der Unzerstörbare: Vedad Ibisevic ist 34 Jahre alt, aber von Altersmüdigkeit keine Spur. Der Kapitän stürmte in allen 17 Spielen, traf sechsmal.

Der Glückspilz: Davie Selke konnte nach seiner schweren Lungen-OP im Juli bereits im September wieder in der Bundesliga spielen.

Der Stadionplan: Die Vision von der eigenen Arena rückt immer mehr in Richtung Wirklichkeit. Der Senat lehnt ein neues Stadion am und auf dem Olympiapark nicht kategorisch ab. Die Verhandlungen laufen auf Hochtouren.

Gute Finanzen: Der Verein hat in den vergangen Jahren so gut gewirtschaftet, dass vorzeitig das US-amerikanische Finanzunternehmen KKR ausbezahlt werden konnte. Das schafft mehr Spielraum beim Poker um einen neuen Großinvestor.

Schlechte Hertha

Schlimme Pleiten: 1:4 in Düsseldorf, 1:2 in Stuttgart, nur 2:2 gegen Augsburg, dazu zum Abschluss noch dieses 1:3. Alles verschenkte Punkte, weil zum Schluss die Gier fehlte. Manager Michael Preetz: „Wenn wir so weiter spielen, wird es noch eng in der Rückrunde.“

Geduldeter Zaungast: Ja, Sinan Kurt gehörte in der Sommervorbereitung noch zum Profikader, wurde wegen mangelnder Fitness und Einstellung von Trainer Pal Dardai zur U23 abgeschoben. Auch da spielt er keine große Rolle. Sein Vertrag läuft noch bis zum Sommer. Das ewige Talent hat seine Karriere beendet, bevor sie begonnen hat.

Der Minimalist: Der rechte Außenverteidiger Lukas Klünter kam im Sommer vom 1. FC Köln und fand gar keinen Anschluss. Eine einzige Minute spielte er in Wolfsburg (2:2).

Die Verletztenseuche: Niklas Stark, Karim Rekik, Mathew Leckie und Neuen Marco Grujic und Javairo Dilrosun fehlten zuletzt. Davor erwischte es Jordan Torunarigha, Peter Pekarik, Vladimir Darida, Davie Selke. Preetz: „Wir werden analysieren, warum es diese Hinrunde so viele Ausfälle gab.“

Randale in Dortmund: Die Hardcore-Fans prügelten sich beim 2:2 mit Polizisten, die sich ihrerseits mit dem Einkassieren der Blockfahne ungeschickt anstellten. Hässliche Bilder. Das will keiner sehen.

Hymnenstreit: Völlig unnötig war der Zoff um die Stadionhymne. Statt Frank Zanders „Nur nach Hause“ wurde beim ersten Heimspiel „Das dicke B“ von Seeed gespielt. Fanproteste und sofortige Rücknahme dieser Entscheidung folgten. Auch das vereinsinterne Fahnenverbot beim 0:3-Heimspiel gegen Leipzig nach der Dortmund-Randale wurde schnell wieder einkassiert. Immerhin: Vereinsbosse und Hardcore-Fans reden jetzt wieder miteinander.

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